Paar von hinten auf einer Bank

Leben mit Lungenkrebs

Die Diagnose Lungenkrebs verändert den Alltag von Patienten und Angehörigen von heute auf morgen. Ob körperlich oder emotional, im Beruf oder in der Partnerschaft – sie reicht in alle Lebensbereiche hinein und kann das Leben zu einer Herausforderung machen. Deshalb ist es wichtig, dass Lungenkrebspatienten gut für sich sorgen.

Lebensqualität bewahren

Von Lungenkrebs Betroffene können auf verschiedene Weisen ihr Wohlbefinden stärken: Ernährung, Bewegung und Entspannung sind wichtige Faktoren, um sich gut zu fühlen. Das kann sich auch positiv auf Gesundheit und Psyche auswirken. Emotionale Bindungen und Zufriedenheit in der Partnerschaft können ebenfalls zu Glück und Zufriedenheit beitragen.
 

Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung versorgt Sie mit allen wichtigen Nährstoffen. Das stärkt Körper und Seele und fördert somit auch die Lebensqualität. Wenn Sie sich gesund und vitalstoffreich ernähren möchten, sollen Sie auf folgende Dinge achten: Nehmen Sie ausreichend Kohlenhydrate, Fette und Eiweisse zu sich. Ausserdem sollten Sie Nahrungsmittel mit einem hohen Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen bevorzugen. Denn wenn Sie mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt sind, dann kann sich auch Ihr Allgemeinzustand verbessern. Je nach Zubereitungsart sind Speisen besser oder schlechter verdaulich.

Probieren Sie aus, was Ihnen besser bekommt:
Vitaminreiche Suppen und Eintöpfe können verträglicher sein als rohes Gemüse oder Gebratenes.

Bei einer Krebserkrankung kann es ausserdem helfen, die Ernährungsgewohnheiten anzupassen. Bei manchen Patienten nimmt der Appetit ab, der Geschmack ändert sich oder sie leiden unter Übelkeit oder Erbrechen. Auslöser dafür können Ängste und Sorgen sein oder die Nebenwirkungen der Therapie. Diese kann auch zu Unverträglichkeiten bestimmter Nahrungsmittel führen, weil etwa die Schleimhäute gereizt sind.

Hat sich Ihre Therapie auf Ihr Essverhalten ausgewirkt oder hat sich Ihr Gewicht reduziert? Dann können Ihnen folgende Tipps helfen:

  • Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilen
  • Speisen appetitlich anrichten
  • Den Tisch liebevoll decken und genug Zeit zum Essen nehmen
  • Ein Mahl in netter Gesellschaft geniessen
  • Neue Rezepte ausprobieren
  • Nicht zum Essen zwingen

Bei starker Gewichtsabnahme oder Problemen mit dem Appetit kann eine professionelle Ernährungsberatung helfen. Diese kann Ihnen Ihr Arzt verordnen.

Ein Ernährungsberater kann Ihnen helfen einen persönlichen Ernährungsplan zusammen zu stellen.

Eine Ernährungsberatung richtet sich nach Ihren Wünschen und Vorlieben und basiert auf gut verträglichen Nahrungsmitteln. Sogenannte „Krebsdiäten“ sind nicht empfehlenswert.
 

Partnerschaft

Füreinander dazu sein, ist wichtig – gerade im Krankheitsfall. Doch eine Krebserkrankung kann sich auch auf eine Partnerschaft auswirken. Körperliche und emotionale Bedürfnisse können sich verändern. Verantwortlich dafür sind zum einen die psychische Belastung, zum anderen die Auswirkungen einer Chemotherapie, Bestrahlung oder Operation. So können der Verlust von Haaren, Operationsnarben oder schlicht die körperliche Schwäche das Körpergefühl negativ beeinflussen. Ein Psychoonkologe kann Ihnen und Ihrem Partner helfen, einen konstruktiven Umgang mit der Erkrankung und ihren Auswirkungen auf die Partnerschaft zu finden. Bei unausgesprochenen Konflikten, emotionalem Rückzug oder Angst im körperlichen Umgang miteinander ist ein Besuch bei einem Experten empfehlenswert.

  • Besonders in schwierigen Phasen kann die Unterstützung Angehörigen und Freunden oder in Selbsthilfegruppen eine Erleichterung sein

    Zwei Hände, die sich festhalten

Unterstützung durch die Selbsthilfegruppe

Regelmässige Treffen mit anderen Betroffenen tun vielen Krebspatienten gut. Der Besuch einer Selbsthilfegruppe bietet Unterstützung und gibt das Gefühl: „Ich bin nicht allein.“ Denn dabei haben die Patienten die Möglichkeit, von der eigenen Situation zu berichten – das entlastet zusätzlich. Ausserdem profitieren sie vom Erfahrungsaustausch mit anderen Lungenkrebspatienten und schöpfen dadurch Mut, nicht aufzugeben. Auch Angehörige können an den Gesprächsrunden teilnehmen.

Speziell für den Austausch von Lungenkrebspatienten gibt es das Forum Lungenkrebs Schweiz
( www.lungenliga.ch ). Darüber hinaus gibt es zahlreiche Selbsthilfegruppen für verschiedene Krebsarten ( www.selbsthilfeschweiz.ch).
 

Bewegung und Entspannung

Bewegung und Entspannung  nehmen auch bei einer Krebserkrankung einen wichtigen Stellenwert ein. Sie verbessern das Körpergefühl und steigern das Wohlbefinden. Mit Bewegung ist jedoch nicht gemeint, dass Sie sportliche Höchstleistungen vollbringen müssen. Schon indem Sie einfache Atem- und Dehnübungen ausführen,  können Sie sich im Alltag langfristig fitter und aktiver fühlen. Mit regelmässigen Atemübungen erweitern Sie ausserdem Ihre Atemkapazität. So fällt Ihnen auch das Atmen leichter. Tipps für einen bewegten Alltag:

  • Täglich 20 Minuten oder länger spazieren gehen
  • Obere Rumpfmuskulatur regelmässig dehnen
  • Bewegungsmass und -intensität dem Atem anpassen
  • Hilfsmittel wie ein E-Bike können den Sport vereinfachen
  • Sanfte Sportarten wie Walken, Yoga oder Tai-Chi bevorzugen

Um den Alltag hinter sich zu lassen, helfen Wärme und Entspannungsübungen. Sie beruhigen den Geist und tragen dazu bei, sich ausgeglichen zu fühlen. Geeignet sind Yoga, Pilates oder Autogenes Training. Diese Übungen können Sie einfach zuhause ausführen. Auf Wunsch kann Ihnen Ihr Physiotherapeut einige Übungen zeigen, ausserdem gibt es zahlreiche Kurse oder DVDs.
 

Die Lunge gezielt trainieren

Lungenkrebspatienten sollten ihre Lunge gut trainieren. Denn das Organ versorgt unseren Körper mit Sauerstoff. So atmet ein Erwachsener etwa zwölf- bis fünfzehnmal pro Minute ein und aus. Nur wenn die Lunge volle Leistung bringt, sind wir ausreichend versorgt. Das ist jedoch bei vielen Lungenkrebspatienten nicht der Fall. Grund dafür kann sein, dass bei einer Operation Teile der Lunge entfernt wurden oder eine Strahlentherapie das Lungengewebe vernarbt hat. So kann es zu einer eingeschränkten Lungenfunktion kommen. Die Folgen einer mangelnden Sauerstoffversorgung sind schnelle Ermüdung  und Atemnot schon bei geringen körperlichen Anstrengungen wie etwa Treppensteigen.

Wenn sie regelmässig durchgeführt wird, steigert eine Atemtherapie nicht nur das körperliche, sondern auch das emotionale Wohlbefinden. Für das Lungentraining sprechen also gute Gründe und es kostet Sie nur wenige Minuten täglich, um spürbare Verbesserung zu erzielen.
 

Übungen für die Lunge

Mit folgenden zwei Übungen können Sie Ihre Lunge trainieren und Ihre Atmung stärken. Sie eignen sich besonders für Patienten, denen ein Teil der Lunge entfernt wurde.

Umgang mit der Angst

Im Rahmen einer Lungenkrebserkrankung haben Betroffene häufig mit Ängsten und Sorgen zu kämpfen: Die Angst vor der Therapie, vor möglichen Schmerzen oder Atemnot, aber auch die Ungewissheit, wie sich die Erkrankung entwickeln wird, macht vielen zu schaffen. Dazu kommt die Furcht vor dem Tod und Einsamkeit – etwa weil sich Angehörige oder Freunde zurückziehen könnten. Dieser Prozess ist ganz natürlich; anstatt diese Gefühle zu verdrängen, kann es Ihnen helfen, sich damit auseinanderzusetzen.
 

Austausch und Information

Sie sind Ihren Ängsten nicht hilflos ausgeliefert. Suchen Sie das Gespräch und teilen Sie Ihre Emotionen mit Ihrem Partner, Familienmitgliedern und Freunden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, sich professionelle Unterstützung zu holen. Ein Experte kann Ihnen helfen, Ihre Angst in den Griff zu bekommen. Wenden Sie sich an Ihren Arzt, um einen Psychoonkologen oder Psychotherapeuten zu finden. Auch die Krebsberatungsstellen können Ihnen weiterhelfen. Da viele Ängste aus Unwissenheit entstehen, sollten Sie sich ausserdem ausführlich über Ihre Erkrankung informieren.

  • Gespräche sind wichtig. Neben dem Austausch mit den Angehörigen kann auch ein Experte eine grosse Hilfe darstellen

    Pärchen liegt auf einer Wiese mit Aussicht auf einen blühenden Baum

Umgang mit dem Tod

Der Gedanke an den eigenen Tod kann belasten. Gerade für Lungenkrebspatienten kann der Moment kommen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Auch wenn aufgrund besserer Therapiemöglichkeiten die Überlebenschancen zunehmen, kann Lungenkrebs lebensbedrohlich sein. Die eigene Endlichkeit anzunehmen, ist ein wichtiger Schritt, der vielen Menschen schwerfällt. Wer sich mit Sterblichkeit und Tod beschäftigt, verändert häufig auch seine Sicht aufs Leben. Viele Betroffene versuchen, ihre Lebenszeit intensiv zu nutzen und Zeit mit den Liebsten zu verbringen oder wichtige Dinge klären.

In der letzten Phase der Krebserkrankung kann es entlastend wirken, einige organisatorische Dinge zu regeln.

Für den Fall, dass die Erkrankung zu Schmerzen und Beeinträchtigungen führt, gibt es bestimmte Medikamente. Wenden Sie sich dafür am besten an Ihren Arzt. Auch ein ambulanter Pflege- und Hospizdienst kann die Situation verbessern. Eventuell bietet sich auch ein Aufenthalt in einem Hospiz oder einer Palliativstation an.
 

Patientenverfügung

Gerade im Fall einer Krebserkrankung sollten Betroffene in Erwägung ziehen, eine Patientenverfügung zu erstellen. Dazu sind in der Schweiz alle urteilsfähigen Personen berechtigt. Darin entscheiden Patienten im Vorfeld über ihre medizinische Behandlung. Somit ist klar geregelt, welche Massnahmen im Notfall ergriffen werden sollen und welche nicht. Zu diesen Massnahmen gehören beispielsweise Wiederbelebungsmassnahmen, künstliche Beatmung oder Ernährung. Eine solche Verfügung entlastet sowohl Ärzte als auch Angehörige und ermöglicht es Ihnen als Patient, selbst über Ihre Behandlung zu bestimmen.

Liegt eine Patientenverfügung vor, müssen sich alle Beteiligten daran halten – beispielsweise Ärzte, Pflegepersonal, Betreuer, Bevollmächtigte oder Gerichte. Deshalb sollten Sie Ihren Willen möglichst genau festhalten und dabei auch auf Ihre individuelle Situation eingehen. Lassen Sie sich beim Formulieren von Ihrem Arzt helfen. Ausserdem gibt es online verschiedene Vordrucke zum Herunterladen, die Sie ausfüllen können. Wichtig ist, dass Sie das Dokument unterschreiben und das Erstellungsdatum angeben. Einmal verfasst ist eine Patientenverfügung unbeschränkt gültig, Sie können sie jedoch jederzeit ändern oder widerrufen.

Gedanken um den Ernstfall sind wichtig: Patienten- und Betreuungsverfügungen, Vorsorgeaufträge sowie das Auseinandersetzen mit dem Tod können eine Entlastung darstellen.

Im Fall der Fälle dient Ihre Patientenverfügung als Richtlinie. Deshalb empfiehlt sich ein gut zugänglicher Aufbewahrungsort. Ausserdem sollte eine Vertrauensperson wissen, wo sich das Dokument befindet. Zusätzlich sollten Sie Ihrem Arzt und Ihrer Vertretungsperson eine Kopie aushändigen. Es empfiehlt sich, eine Hinweiskarte im Portemonnaie mit sich zu führen: Sie informiert über den Aufbewahrungsort der Patientenverfügung. Weiterhin bieten manche Dienstleister wie www.pv24.ch oder www.Patientenwille.ch an, die Patientenverfügung gegen Gebühr in eine Datenbank aufzunehmen.
 

Vorsorgeauftrag und Betreuungsverfügung

Ausserdem sollten Sie sich näher über die Vor- und Nachteile eines Vorsorgeauftrags informieren. Damit übertragen Sie einer anderen Person oder Fachstelle die Vollmacht, stellvertretend in Ihrem Namen zu handeln. Diese kann dann für Sie einzelne oder alle Entscheidungen übernehmen – für den Fall, dass Sie dazu nicht mehr fähig sind. Ein gültiger Vorsorgeauftrag muss handschriftlich erstellt und unterschrieben oder notariell beglaubigt werden. Bei Fragen wenden Sie sich am besten an ein Notariat oder an eine Rechtsberatungsstelle. Eine Betreuungsverfügung dokumentiert darüber hinaus Ihre Wünsche für den Betreuungsfall. Darin halten Sie fest, wer im Pflegefall Ihre Betreuung übernehmen soll. Das Vormundschaftsgericht orientiert sich an diesen Vorgaben.