Mann mit Blasenkrebs zusammen mit seiner Frau auf einer Parkbank

Was ist Blasenkrebs?

Die Diagnose Blasenkrebs kann für Patienten sowie Angehörige und Freunde eine grosse Belastung darstellen. Um mit der Erkrankung besser zurechtzukommen und dem Erkrankten eine Stütze zu sein, helfen vor allem ausführliche Informationen über die Erkrankung sowie die Diagnose- und die Behandlungsmöglichkeiten.

Blasenkrebs verstehen – grundlegendes Wissen

Blasenkrebs heisst in der Fachsprache auch Harnblasenkarzinom. Dabei handelt es sich um eine Gewebewucherung in der Harnblase. Bei Blasenkrebs befindet sich diese Wucherung in der Schleimhaut (Urothel) der ableitenden Harnwege. Von dort aus kann sie aber auch tiefere Gewebsschichten befallen.

1.200

Neuerkrankungen pro Jahr in der Schweiz

5

häufigste Krebsart in der Schweiz bei Männern

3-mal

häufiger erkranken Männer an Blasenkrebs als Frauen

Aufbau und Funktion der Blase

Die Harnblase ist ein dehnbares Hohlorgan und liegt etwa auf der Höhe des Schambeins im kleinen Becken. Als eine Art Speicher ist es Aufgabe der Blase, den in den Nieren gebildeten Urin zu sammeln. Dieser gelangt über die Harnleiter in die Blase. Bereits ab einer Menge von 300 Millilitern kann der Harndrang einsetzen. Maximal hat etwa ein Liter Flüssigkeit in der Blase Platz. Der gesammelte Urin wird über die Harnröhre ausgeschieden.

  • Darstellung der Nieren und Harnwege

    Ableitende Harnwege im Überblick

Der obere Abschnitt der ableitenden Harnwege besteht aus Nieren und Harnleitern (Ureter). Der untere Abschnitt des Harnwegsystems besteht aus Blase und Harnröhre (Urethra). Als Sammelbecken für Urin nimmt die Blase im Urogenitaltrakt eine zentrale Rolle ein. Zum Urogenitaltrakt gehören ausserdem die Nieren und die Harnleiter (Ureter) sowie die Harnröhre (Urethra). Zwischen den Geschlechtern gibt es kleine Unterschiede: So führen die Harnleiter bei Männern durch die Vorsteherdrüse (Prostata), den Penis und die Eichel. Bei Frauen hingegen verlaufen sie durch den Beckenboden bis zum Scheidenvorhof.

  • Die verschiedenen Gewebsschichten der Harnblase

    Darstellung der Gewebsschichten der Harnblase

Die Blase besteht aus unterschiedlichen Gewebeschichten:

  • Innere Schicht bestehend aus Schleimhaut mit einem Deckgewebe (Urothel) zum Schutz der Blase vor Urin
  • Bindegewebsschicht
  • Muskelgewebe, das das Dehnen und Zusammenziehen (Kontrahieren) der Blase steuert
  • Fettgewebe

Ursachen und Risikofaktoren

Obwohl die genauen Ursachen für die Entstehung von Blasenkrebs noch nicht ganz geklärt sind, können jedoch einige Faktoren die Entstehung begünstigen. Diskutiert werden unter anderem der natürliche Alterungsprozess, Umwelteinflüsse, erbliche Faktoren sowie ein ungesunder Lebensstil durch erhöhten Tabak- und Alkoholkonsum als mögliche Ursachen. Speziell für Blasenkrebs gelten folgende Faktoren als risikoreich:

Tabakrauch enthält krebserregende Substanzen (Karzinogene), die in unser Blut gelangen. Über die Nieren scheiden wir sie wieder aus. Von dort kommen sie mit dem Urin in die Blase und entfalten ihre schädigende Wirkung. Etwa 30 bis 70 Prozent der Erkrankungen sind darauf zurückzuführen.

Der Kontakt mit bestimmten Chemikalien birgt ebenfalls ein höheres Risiko, an Blasenkrebs zu erkranken. Besonders gefährlich sind zum Beispiel aromatische Amine, welche in Friseurchemikalien, Teer und Pech oder in Härtern für Epoxidharze enthalten sind. Diese Substanzen sind heute weitgehend verboten und es gibt Schutzmassnahmen am Arbeitsplatz. Nichtsdestotrotz ist Blasenkrebs in der Schweiz eine anerkannte Berufskrankheit. Der Grund: Blasenkrebs kann noch Jahre später auftreten – selbst wenn man gar nicht mehr in dem Beruf arbeitet, in dem man mit krebsauslösenden Substanzen in Berührung gekommen ist.

Bestimmte Schmerzmittelwirkstoffe können das Blasenkrebsrisiko erhöhen. Kritisch ist zum Beispiel die langjährige Einnahme sogenannter Phenacetine, die es aktuell aber nicht mehr auf dem Markt gibt.

Auch chronische Blasenentzündungen können zur Entstehung von Blasenkrebs beitragen. Diese können zum Beispiel durch das Tragen eines Katheters vermehrt auftreten.

Die Ansteckung zum Beispiel mit Schistosomiasis (Bilharziose) kann zur Entstehung von Blasenkrebs beitragen. Dabei handelt es sich um einen tropischen Erreger, der zu chronischen Infektionen führt – unter anderem in der Harnblase.

Eine erfolgte Chemo- oder Strahlentherapie im Beckenbereich kann Blasenkrebs ebenfalls mitverursachen.

Blasenkrebs – die Symptome

Blasenkrebs kann sich in verschiedenen, teilweise unspezifischen Symptomen äussern:

  • Schmerzhaftes Wasserlassen (nicht durch eine Blasenentzündung verursacht)
  • Häufiger Harndrang, aber geringe Mengen Urin
  • Rot- oder Braunfärbung des Urins (Hinweis auf Blut im Urin)
  • Erschwertes oder tröpfchenweises Wasserlassen, teilweise schmerzhaft
  • Unterleibsschmerzen oder Beschwerden in der Nierengegend

75 % der Blasenkrebstumore können im Frühstadium erkannt werden. Daher ist es wichtig, Beschwerden nicht zu ignorieren, sondern direkt mit dem Arzt abklären zu lassen, um die Heilungschancen zu erhöhen.

Blasenkrebs diagnostizieren

Bei Verdacht auf Blasenkrebs kommen verschiedene Untersuchungsmethoden zum Einsatz. Als Erstes erfolgt die sogenannte Anamnese, ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch. Währenddessen befragt der Arzt den Betroffenen über seinen Gesundheitszustand. Anschliessend findet die körperliche Untersuchung statt. Bei dieser gilt es herauszufinden, ob Anzeichen für Blasenkrebs wie Gewebeveränderungen, Flüssigkeitseinlagerungen oder vergrösserte Lymphknoten vorliegen. Ergänzend führt der Arzt eine Laboruntersuchung durch. Die Laborwerte zeigen, ob der Urin Blut enthält oder die Nieren richtig arbeiten.

Um das Innere der Blase zu untersuchen, kann eine Blasenspiegelung, Zystoskopie genannt, durchgeführt werden. So kann der Arzt potentiell vorhandene Tumoren oder Auffälligkeiten erkennen. Dazu führt er unter örtlicher Betäubung ein Zystoskop, einen flexiblen Schlauch, ausgestattet mit einer kleinen Kamera, in die Blase ein. Eine besondere Form der Blasenspiegelung ist die transurethrale Blasenresektion auch TUR-B genannt. Sie ermöglicht Diagnose und Behandlung in einem Schritt.

Zusätzlich können die photodynamische Diagnostik (PDD) und das Narrow Band Imaging (NBI) sowie eine Blasenspülung (Spülzytologie) die Diagnose absichern. Auch bildgebende Verfahren können mehr Aufschluss geben. So erkennt der Arzt zum Beispiel, wo sich ein Tumor befindet und wie gross er ist.

Tumorart und Tumorstadium

Tumoren in der Blase werden in drei Gruppen eingeteilt: nicht-muskelinvasive, muskelinvasive und metastasierte Tumoren. Nicht-muskelinvasiv bedeutet, der Tumor betrifft nur die Blasenschleimhaut. Der Blasenmuskel ist nicht betroffen. Muskelinvasiv heisst, dass der Tumor bereits in andere Gewebsschichten vorgedrungen ist und eventuell die Blasenwand befallen hat. Ist der Tumor metastasiert, so haben sich bereits Tochtergeschwülste in umliegenden Geweben gebildet.

  • Darstellung der Gewebsschichten der Blase

    Überblick der verschieden Tumorstadien bei Blasenkrebs

Das Tumorstadium liefert die Grundlage für die patientenindividuelle Therapieplanung. Orientierung zur Einordung von Tumoren gibt ein international gültiges Klassifizierungssystem, die TNM-Klassifikation. Anhand einiger festgelegter Merkmale wie Lage, Grösse und Ausbreitung des Tumors kann der Arzt das Tumorstadium bestimmen (Staging).

TNM-Klassifikation

  • T = Wie weit hat sich der Tumor in seiner Grösse ausgedehnt?
  • N (engl. Node) = Hat der Tumor bereits in der Nachbarschaft umliegende Lymphknoten befallen?
  • M = Haben sich bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) in umliegenden Geweben oder Organen gebildet?

Ist das Tumorstadium ermittelt, kann jeder Patient eine massgeschneiderte Therapie erhalten, die genau auf den Zustand seines Harnblasentumors abgestimmt ist.