Zwei ältere Herren mit Blasenkrebs im Gespräch

Blasenkrebs behandeln

Um Blasenkrebs zu behandeln, stehen unterschiedliche Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Welche die richtige für den einzelnen Patienten ist, hängt vom individuellen Krankheitsbild ab. Massgebend sind die Ausbreitung des Tumors bei der Erstdiagnose und der individuelle Gesundheitszustand.

Therapiemöglichkeiten bei nicht-muskelinvasivem Blasenkrebs

Für die Behandlung von nicht-muskelinvasiven Blasentumoren erhalten Betroffene häufig eine transurethrale Resektion des Blasengewebes (TUR-B). Zusätzlich zur TUR-B kann je nach Tumorstadium auch eine lokale Chemotherapie angewendet werden, bei der die Blase mit einer Medikamentenlösung gespült wird . Durch die lokale Behandlung, kann das Rückfallrisiko zusätzlich verringert werden.

75 %

der Harnblasenkarzinome werden im Frühstadium entdeckt

4

Jahre nach einem Rauchstopp sinkt das Risiko für Blasenkrebs um 40 %

70 %

haben mit der Darmersatzblase keine Probleme

Den Tumor lokal chirurgisch behandeln

TUR-B steht für transurethrale Resektion des Blasengewebes. „Transurethral“ bedeutet „durch die Harnröhre“ und „Resektion“ heisst „Entfernung“. Dahinter verbirgt sich ein minimalinvasives Verfahren, mit dem Ärzte Blasenkrebs in einem Schritt diagnostizieren und behandeln können.

Eine TUR-B ist eine besondere Form der Blasenspiegelung (Zystoskopie). Sie eignet sich als primäre Therapie für die Entfernung von oberflächlich wachsenden (nicht-muskelinvasiven) Tumoren ohne einen Schnitt in die Bauchdecke. Ausserdem lässt sich dabei sowohl eine Untersuchung per Kamera durchführen als auch eine Gewebeprobe entnehmen.

Wie läuft eine TUR-B ab?

Bei einer TUR-B führt der Arzt ein Operationsinstrument, das sogenannte Resektoskop, über die Harnröhre in die Blase ein. Es ähnelt dem Zystoskop, das bei einer Blasenspiegelung Verwendung findet. Allerdings hat es statt eines flexiblen Schlauches ein starres Röhrchen. Daran befinden sich eine Kamera und eine kleine Drahtschlinge. Darüber kann der Arzt einen Blick in das Blaseninnere werfen, Gewebeproben entnehmen und – falls erforderlich – Gewebe abtragen.

  • Darstellung des Zystoskops zum Entfernen des Blasentumors

    Bei der TUR-B wird mit Hilfe des Zystoskops sowohl Kamera als auch Drahtschlinge über die Harnröhre in die Blase eingefügt

Das mit Hilfe der Drahtschlinge entnommene Gewebe prüft ein Pathologe auf Tumorzellen. Bei der Untersuchung kann er auch feststellen, ob besonders schnell wachsende Tumorzellen vorliegen oder ob der Tumor komplett entfernt worden ist. Besteht der Rand der Probe aus gesunden Zellen, konnte die Wucherung komplett entfernt werden. Finden sich aber an den Rändern noch Krebszellen, kann eine zweite TUR-B (Nachresektion) nötig sein. Im Allgemeinen erfolgt eine TUR-B unter Narkose, ihre Dauer beträgt meist 20 bis 60 Minuten.

Instillationstherapie: Tumorzellen per Spülung bekämpfen

Die Instillationstherapie (von lateinisch „stilla“ = „Tropfen“) zählt zu den lokalen medikamentösen Therapien. Dabei wird der Wirkstoff mithilfe eines Katheters direkt an die Stelle im Körper gebracht, wo er wirken soll. Diese Wirkstoffe können Chemotherapeutika (Zytostatika) oder Immunmodulatoren sein. Unter Immunmodulator versteht man Medikamente, die das Immunsystem sehr stark anregen. Eine Instillationstherapie kommt häufig unterstützend (adjuvant) zu anderen Behandlungen, wie etwa einer TUR-B, zum Einsatz. Sie kann dazu beitragen, dass der Tumor nicht wieder auftritt (Rezidiv). Wenn das Rückfallrisiko hoch ist, ordnet der Arzt häufig mehrere Instillationstherapien an.

Therapien bei muskelinvasivem und metastasiertem Blasenkrebs

Im Fall von muskelinvasivem Blasenkrebs stehen mehrere Therapien zur Wahl, die auch in Kombination eingesetzt werden. Erfahren Sie mehr darüber, welche Therapien je nach Krankheitsbild zur Behandlung von Blasenkrebs Anwendung finden.

Operation

Bei weit fortgeschrittenen Tumoren muss die Blase ganz oder teilweise entfernt werden. Diese Operation nennt man Zystektomie. Müssen nur einzelne Bereiche der Blase entfernt werden, heisst dies Teilresektion. Von einer radikalen Zystektomie spricht man, wenn die komplette Harnblase herausgenommen wird. In diesem Fall ist eine andere Form der Harnableitung als Ersatz erforderlich.

Häufig wird eine Zystektomie mit einer Chemotherapie kombiniert. Mit dem Eingriff ist meist ein zwei- bis dreiwöchiger Aufenthalt im Spital verbunden.

Chemotherapie: Die Tumorzellen schwächen

Eine Chemotherapie soll verhindern, dass sich die schnell wachsenden Tumorzellen weiterhin teilen. Um dies zu bewirken, werden dem Körper Zytostatika zugeführt. Dabei handelt es sich um Stoffe, die das Zellwachstum von gesunden und kranken Zellen hemmen. Die chemischen Substanzen wirken im ganzen Körper, also systemisch. Deshalb kann eine Chemotherapie auch den Körper allgemein schwächen.

Eine Chemotherapie kann häufig in Kombination mit einer kompletten Entfernung der Harnblase einhergehen:

  • Im Vorfeld einer Operation, um den Tumor zu verkleinern (neoadjuvant)
  • Nach einer Operation, um das Rückfallrisiko zu senken (adjuvant)
  • Anstelle einer Operation, wenn sich bereits zahlreiche Metastasen gebildet haben (palliativ)

Strahlentherapie: Die Tumorzellen schädigen

Im Rahmen einer Strahlentherapie erfolgen Bestrahlungen des Tumors mittels energiereicher Strahlen. Diese schädigen das Erbgut der Tumorzellen, sodass diese absterben. Die Strahlentherapie zählt zu den lokalen Therapien. Das bedeutet, der Tumor wird lokal begrenzt behandelt und nicht der ganze Körper, wie etwa bei der Chemotherapie.

Immuntherapie: Das Immunsystem aktivieren

Die Forschung untersucht schon lange, wie Krebserkrankungen mit dem körpereigenen Immunsystem zu bekämpfen sind. In der jüngsten Vergangenheit konnten jedoch wesentliche Fortschritte für den Bereich der Immuntherapien erzielt werden. Der Gedanke dahinter: Nicht eine Therapie von aussen erreicht einen Behandlungserfolg; vielmehr unterstützt die Krebsimmuntherapie durch bestimmte Medikamente das körpereigene Abwehrsystem im Kampf gegen den Krebs. Mit ihr kann das Immunsystem Krebszellen erkennen und selbst bekämpfen – eine Art Hilfe zur Selbsthilfe.

Die Immuntherapie folgt einem wichtigen Prinzip: Sie will den Schutz aufheben, mit dem Tumorzellen einem Angriff des Immunsystems ausweichen können. Normalerweise ist das Immunsystem imstande, Tumorzellen zu erkennen und gezielt zu bekämpfen. Manche Krebszellen können diesen Verteidigungsmechanismus jedoch überwinden. Durch bestimmte Strukturen auf ihrer Oberfläche (Checkpoints) treten Krebszellen mit Immunzellen in Kontakt und bewegen sie dazu, sie nicht mehr anzugreifen: Durch dieses „Täuschungsmanöver“ kann der Tumor ungehindert wachsen.

Bestimmte Antikörper (Checkpoint-Inhibitoren) unterbinden diese fehlgeleitete Kommunikation zwischen Tumor und Immunsystem. Sie machen die Krebszellen wieder für das Immunsystem sichtbar und angreifbar. Sie blockieren die Andockstellen (Rezeptoren) an den Tumorzellen bzw. den Zellen des Immunsystems. Die Tumorzellen können nicht länger mit den Zellen des Immunsystems „fehlkommunizieren“. Die körpereigene Abwehr kann sich fortan wieder gegen den Tumor richten.

Schmerztherapie, Palliativmedizin und Komplementärmedizin

Die beschriebenen Standardverfahren können weitere Therapien ergänzen – unabhängig davon, in welchem Stadium sich der Tumor befindet: So können manche Betroffene von der Schmerztherapie, der Palliativmedizin oder komplementären Behandlungsmethoden profitieren.

Schmerztherapie: Beschwerden lindern

Tumoren können Schmerzen verursachen. In diesem Fall kann eine Schmerztherapie Betroffenen zu einem möglichst schmerzfreien Leben mit Blasenkrebs verhelfen. Dies ist in jedem Krankheitsstadium möglich. Abhilfe schaffen können verschiedene Präparate in zahlreichen Darreichungsformen wie Tabletten, Pflaster oder Tropfen. Um die Dosis den individuellen Bedürfnissen entsprechend anpassen zu können, ist eine engmaschige Betreuung erforderlich.

Palliativmedizin: Lebensqualität erhalten

Wenn eine Krebserkrankung schon fortgeschritten ist, kann die Palliativmedizin die Beschwerden des Patienten lindern. Palliativmedizinische Methoden können die Standardtherapien ergänzen. Ziel ist es, die Lebensqualität eines Krebspatienten zu verbessern. Beispielsweise kann Palliativmedizin dazu beitragen, Schmerzen und andere Begleitsymptome der Krebserkrankung, wie etwa Müdigkeit, Übelkeit oder Erbrechen, zu mildern. Das kann auch auf psychischer Ebene unterstützend wirken und seelische Belastungen, Sorgen und Ängste abbauen. Richtig angewandt kann Palliativmedizin entscheidend zur Lebensqualität bei fortgeschrittenem Blasenkrebs beitragen.

Eine dauerhafte Heilung bei Metastasen ist meist nicht möglich, aber das Fortschreiten der Krankheit lässt sich verzögern.

Komplementärmedizin: Zusätzlich aktiv werden

Komplementärmedizin kann eine schulmedizinische Behandlung ergänzen, aber niemals ersetzen. Komplementäre Behandlungsmethoden stellen also niemals eine Alternative zur Schulmedizin dar. Zu den Massnahmen der Komplementärmedizin gehören eine gesunde Ernährung, Entspannungstechniken, Massagen und einige bestimmte Präparate. Wer sich in die Hände eines Therapeuten begibt, sollte diesen sorgfältig auswählen. Vorsicht ist auch vor unrealistischen Heilsversprechungen geboten! Den Einsatz von Komplementärmedizin gilt es unbedingt, mit dem Arzt im Vorfeld abzusprechen.

Blasenersatz schaffen – die Möglichkeiten

Befindet sich der Tumor in einem fortgeschrittenen Stadium, ist die Entfernung der Blase notwendig. Danach kann der Urin nicht mehr in der Blase gesammelt und natürlich ausgeschieden werden. In diesem Fall ist es erforderlich, eine künstliche Harnableitung zu schaffen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, die vom individuellen Gesundheitszustand und den Wünschen des Patienten abhängen. So unterscheidet man beispielsweise zwischen nassen und trockenen Harnableitungen. Letztere bedeuten einen aufwändigen Eingriff und sind eher für jüngere Patienten geeignet. Deshalb erhalten ältere, pflegebedürftige Patienten häufig nasse Harnableitungen.

Neoblase

Die Neoblase, auch Ersatzblase genannt, zählt zu den trockenen Harnableitungen. Dabei entsteht aus einem stillgelegten und umgeformten Dickdarm- (Colon) oder Dünndarmstück (Illeum) ein Auffangbecken für den Urin – genau an dem Platz, wo sich auch die natürliche Harnblase befindet. Es wird mit der Harnröhre und den Harnleitern verbunden. Der Urin kann ganz natürlich ausgeschieden werden. Dafür ist es allerdings nötig, den Beckenboden zu trainieren. Menschen mit einer Neoblase haben keinen natürlichen Harndrang. Um eine Überdehnung der Blase zu vermeiden, muss die Neoblase in einem Vier-Stunden-Rhythmus entleert werden – auch nachts.

Pouch-Blase (Reservoir)

Pouch bedeutet „Beutel“. Bei dieser Form der Harnableitung bildet man aus einem stillgelegten Dünn- oder Dickdarmstück einen Auffangbeutel für den Urin im Körperinneren. Der grosse Unterschied zur Neoblase ist, dass es einen Ausgang in der Bauchdecke gibt. Dieser wird auch Stoma genannt und ist mit einem Ablassventil verschlossen. Über das Ventil erfolgt die Harnausscheidung mithilfe eines Katheters etwa alle vier Stunden. Zwischen Stoma und Pouch-Blase fügt der Operateur ein weiteres Darmteil als Anschluss ein. Das Ablassventil befindet sich in der Bauchdecke. Der Pouch gehört zu den trockenen Harnableitungen und bietet sehr gute Kontinenz.

Harnleiter-Darmimplantation

Bei dieser Variante verbindet der Arzt die Harnleiter mit einem stillgelegten Stück Mastdarm. Es dient als Reservoir, in dem sich Urin und Stuhl sammeln. Über den After kann der Patient beide gemeinsam ausscheiden. Voraussetzung für diese Methode ist, dass der Schliessmuskel gut funktioniert.

Urostoma (Conduit)

Ein Urostoma ist häufig die Alternative, wenn die Anlage einer Neoblase oder eines Pouchs nicht möglich ist. Dabei handelt es sich um eine inkontinente Harnableitung, bei der ein 15 bis 25 Zentimeter langes Dünndarmstück mit dem Harnleiter verbunden wird. So entsteht eine Art Durchlaufkanal, auch Ileum-Conduit genannt. Manchmal wird auch ein Dickdarmstück dafür verwendet (Kolon-Conduit). Bei beiden Varianten verbindet der Operateur das offene Ende des Darmstücks mit der Bauchdecke. An dieser ist ein Beutel befestigt, in den der Urin tröpfelt. Aus diesem Grund trägt das Urostoma auch den Namen „nasses Stoma“.

Harnleiter-Haut-Fistel

Die Harnleiter-Haut-Fistel schafft eine Direktverbindung zwischen Harnleiter und Bauchdecke. Über eine Öffnung im Bauch kann der Harn ausgeschieden werden. Er sammelt sich in einem kleinen Beutel. Diese Form der nassen Harnableitung eignet sich für Patienten, deren Gesundheitszustand keine umfangreiche Operation zulässt oder deren Krebserkrankung bereits fortgeschritten ist. Sie wird auch Ureterokutaneostomie genannt.

Formen der künstlichen Harnableitung im Überblick

Zusammenfassung

Welche Art der Harnableitung ist für den einzelnen Patienten die passende? Das können Betroffene am besten in einem Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt festlegen. Er berät bei dieser weitreichenden Entscheidung und erläutert Vor- und Nachteile, die mit der jeweiligen Form des Blasenersatzes verbunden sind.