Glücklich vereint? Partnerschaft und Multiple Sklerose

Die Überschrift ist etwas gewagt, denn – es gibt kein Rezept für eine glückliche Partnerschaft! Erst recht nicht, wenn einer der Partner chronisch erkrankt ist.

Gibt es das Geheimnis einer glücklichen Partnerschaft?

Ich denke, eine glückliche Partnerschaft zu führen, kann auch ohne Krankheit kompliziert genug sein. Doch wie ist es, wenn einer der Partner krank ist? Eine Krankheit, die man oft nicht sieht, bei der die Symptome unsichtbar und trotzdem ständig präsent sind. Ein Alltag mit schnell wechselnden Stimmungen. Schmerzen, die kommen und gehen. Diese bleierne Erschöpfung, die plötzlich die letzten Kraftreserven aussaugt – ohne Vorankündigung. Was nützt es zu sagen, dass die Fatigue gerade sehr mühsam ist? Der plötzliche Schwindel, Gefühlsstörungen in Körperteilen und noch vieles mehr. Kann man das verstehen, wenn man nicht selber betroffen ist und nicht im Körper des anderen steckt? Nervt das? Das ist alles nicht so einfach.

Diagnose MS – eine Belastung für die Partnerschaft

Als ich den Verdacht hatte, ich könnte Multiple Sklerose haben, ist für uns kurzzeitig unsere kleine Welt zusammengebrochen. Wir wussten nicht, was auf uns zukommt. Wir wussten nicht, wie die Diagnose unser Leben, unseren Alltag und schlussendlich unsere Partnerschaft beeinflussen wird. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich meinem Mann zur Last fallen könnte. Vielleicht werde ich irgendwann pflegebedürftig sein und er wird sich um mich kümmern „müssen“. Werde ich für ihn sowas wie ein Klotz am Bein sein und ihm sein Leben vermasseln? Dies wissen wir übrigens auch jetzt nicht – das ist aber das Leben. Und was das Leben alles bringt, das wissen auch die vermeintlich Gesunden nicht!

Ich hatte den krampfhaften Drang mich nicht von der MS unterkriegen zu lassen. Also habe ich versucht, soweit wie möglich unseren Alltag, wie bisher zu gestalten. Manchmal habe ich das aus einem inneren Stolz und Trotz dermassen gewollt, dass ich vor lauter Müdigkeit fast zusammengebrochen bin.

Erste Besserungen der MS-Symptome

Nach der Lumbalpunktion und der Kortison-Schubtherapie hat sich die Lage etwas beruhigt. Ich war wieder (mehr oder weniger) die Chefin meines Körpers. Die Kinder waren beruhigt und wussten, was Mama hat. Also ging das Leben bald einfach weiter. Der Alltag war normal. Das war einerseits gut und ich habe mich darüber gefreut. Andererseits hatte ich zwischendurch doch das Gefühl, mein Mann sollte dieser Krankheit mehr Beachtung schenken. Unbewusst wollte ich, dass er mich doch anders behandelt! Es hat mich manchmal geärgert, wenn er so weiterlebte und sich so verhielt wie bisher. Sehr widersprüchlich, ich weiss, denn hätte er mich anders behandelt als gewohnt, hätte mich das auch geärgert. Trotzdem konnte er ja nicht wissen, was gerade jetzt in meinem Körper ablief. Er kann ja nicht sehen, ob ich gerade mit irgendeinem Symptom kämpfe.

MS bedeutet auch Veränderungen in der Partnerschaft. Aber als Team meistert man diese.

Mit der Zeit haben wir den passenden Umgang gefunden. Wenn ich nicht so fit bin, dann sage ich das und erwarte nicht, dass mein Mann von alleine auf die Idee kommt. Wir lachen und machen Witze auch auf Kosten der MS. Wenn er sich ärgert, dass ich auch nach einem Jahr die eine Herdplatte noch nicht habe reparieren lassen, dann sage ich manchmal, dass ich halt MS habe. Dann lachen wir und dann geht’s wieder.

Im Auf und Ab des Alltags immer an meiner Seite

Manchmal, wenn die Alltagssorgen, Probleme, Kinder, die Arbeit sich zu sehr in den Vordergrund drängen, dann vermisse ich ihn plötzlich, obwohl er neben mir auf dem Sofa sitzt. Manchmal schaue ich ihn mir an und denke:  „Oh Gott, ist der gut!“ Ich liebe so viele seiner Eigenschaften und manche ärgern mich unbeschreiblich. Es ist nicht immer heiter Sonnenschein.

MEIN TIPP

Wir entwickeln uns jeden Tag weiter und mit jeder Herausforderung kommt etwas Neues dazu. Das Leben ist spannend, die Liebe auch. Mit einer Krankheit wird es nur etwas komplizierter, weil sie sich ungefragt hineindrängt. Bewusst den Partner ansehen und sich fragen, wie die Beziehung denn so ist. Gemeinsam mit dem Partner über die Beziehung sprechen. Den Partner fragen, wie es für ihn/sie ist, mit der MS oder mit einem MS-Betroffenen zu leben. Die Ängste der Partner ernst nehmen.

Man muss sich zwischendurch der drohenden Entfremdung bewusst werden. Sowas schleicht sich schneller ein, als einem lieb ist. Zum Glück finde ich ihn toll und dann wieder doof und danach toll, das ist wie auf einer Waage. Mein Mann findet mich übrigens manchmal genauso doof wie ich ihn, kann mich nicht verstehen, genauso wie ich ihn manchmal nicht verstehen kann.
Das ist das normale Leben!

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