Frau mittleren Alters lächelt

Leben mit Brustkrebs

Brustkrebs bedeutet nicht nur Kranksein. Auch Leben und Gesundwerden gehören dazu. Mit der passenden Nachsorge, regelmässiger Bewegung und gesunder Ernährung können Brustkrebspatientinnen ihre Genesung unterstützen und viel für ihr eigenes Wohlbefinden tun. Bei der Bewältigung der Krankheit hilft auch, Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen.

Familie und Partnerschaft

Eine Brustkrebserkrankung ist nicht nur für die Betroffene selbst ein einschneidendes Erlebnis, sondern auch für ihr unmittelbares Umfeld – vor allem für Partner und Kinder. Für viele Frauen ist die Familie jetzt ihre wichtigste Stütze. Die körperlichen und seelischen Belastungen können sich aber auf den Umgang miteinander auswirken. Auch wenn es manchmal schwerfällt: Alle Beteiligten sollten von Anfang an offen mit der neuen Situation umgehen und vertrauensvoll über Sorgen und Bedürfnisse sprechen.

Mit Kindern über Krebs sprechen

Betroffenen Mütter möchten ihre Kinder schonen und sie nicht mit ihrer Krankheit belasten. Selbst kleine Kinder spüren jedoch sehr schnell, wenn etwas nicht stimmt und die Ungewissheit kann für sie belastender sein als eine altersgerechte Aufklärung über die Erkrankung. Zudem kann das Verschweigen zu einem Vertrauensverlust führen. Daher ist es wichtig, mit seinen Kindern über die Erkrankung zu sprechen.

Kinder können mit der Situation meist besser umgehen, als Eltern es ihnen zutrauen.

Oft sind Eltern jedoch unsicher, wie und wann sie das Gespräch suchen sollten. Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt oder Inhalt für dieses Gespräch. Die Art der Kommunikation ist abhängig vom Alter und vom Sprachverständnis des Kindes. Gerade bei kleinen Kindern ist es wichtig, über das Thema Schuld zu sprechen und klarzumachen, dass sie nicht schuld am Brustkrebs der Mutter sind, sondern dass es ganz viele unterschiedliche Gründe für die Krankheit gibt. Die Broschüre „Wenn Eltern an Krebs erkranken“ der Krebsliga Schweiz bietet Betroffenen viele Anregungen und Tipps für das Gespräch mit ihren Kindern.

Auch Erzieherinnen und Lehrer, die die Kinder täglich betreuen, sollten über die Brustkrebserkrankung der Mutter Bescheid wissen. So können sie entsprechend reagieren, wenn das Kind sich plötzlich untypisch verhält. Ebenso sprechen viele betroffene Frauen mit ihrem engsten Freundeskreis über die neue Situation, nicht zuletzt, um sich selbst zu entlasten. Freunde können die Kinder vom Kindergarten abholen oder den Müttern andere Aufgaben abnehmen. So schafft man für die Kinder trotz Krankheit weiterhin einen möglichst stabilen Alltag.

  • Ihr Partner kann eine große Stütze für Sie sein. Reden Sie offen und ehrlich über Ihre Gefühle mit ihm.

    Pärchen Hand in Hand in Hängematte

Sexualität

Die Brustkrebstherapie kann zu körperlichen Beeinträchtigungen und Nebenwirkungen führen, die die Sexualität verändern. Dies können etwa Müdigkeit nach der Chemotherapie oder Hautveränderungen nach der Bestrahlung sein. Auch Antihormontherapien beeinflussen den weiblichen Körper und können zu einer vorübergehenden Lustlosigkeit oder Scheidentrockenheit führen. Je nach Stärke der Beschwerden empfehlen sich rezeptfreie Gleitgels oder Scheidencremes. Auch das Thema „Verhütung“ sollten Sie besprechen. Jeder Frauenarzt ist auf diese Themen vorbereitet und kann Ihnen mit hilfreichen Tipps und der Verordnung spezieller Medikamente zur Seite stehen.

Viele Frauen haben nach der Behandlung ein verändertes Körpergefühl und empfinden die Operation ihrer Brust als Beeinträchtigung ihrer Weiblichkeit. Auch wenn es Mut und Überwindung erfordert: Sprechen Sie offen mit ihrem Partner. Suchen Sie Rat bei Ihrem Frauenarzt und nehmen Sie auch Unterstützung von psychoonkologischer Seite an. Oftmals erleben Menschen nach einer gemeinsam durchlebten Erkrankung auch als Paar einen neuen Anfang.

Ernährung

Die Frage nach der richtigen Ernährung stellt sich fast jede Brustkrebspatientin irgendwann im Laufe ihrer Erkrankung. Wichtig ist: Es gibt keine Brustkrebsdiät. Aber mit einer ausgewogenen Ernährung tun sie sich und Ihrem Köper etwas Gutes. Ein abwechslungsreicher Speiseplan, vielfältige Zutaten und Freude beim Kochen dienen einer bewussten und langfristig gesunden Ernährung. Geben Sie Ihrem Körper und auch Ihren Kochgewohnheiten Zeit, sich auf eine gesunde und vielseitige Ernährung umzustellen.

Wenn sich Ihre Erkrankung oder die Therapie auf Ihr Essverhalten auswirkt, können Ihnen folgende Tipps helfen:

  • Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilen
  • Geruchsarme, mild gewürzte Speisen bevorzugen
  • Energiereiche Getränke in den Speiseplan integrieren
  • Sehr fette oder sehr süsse Speisen vermeiden
  • Weiche, dickflüssige oder pürierte Kost essen
  • Mundspülungen mit Salbeitee oder mit einer Kochsalzlösung anwenden
  • Zur Anregung des Speichelflusses Pfefferminztee trinken oder gekühltes Obst essen
  • Stark gewürzte und säurehaltige Speisen/Getränke meiden
  • Schleimbildende Produkte wie Milch durch Sauermilchprodukte ersetzen
  • Zwischendurch trockene, stärkehaltige und salzige Lebensmittel essen
  • Nach Erbrechen den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust ausgleichen
  • In kleinen Schlucken trinken
  • Kühle Getränke wählen
  • Übermässig süsse, fette, blähende und stark gewürzte Speisen meiden
  • Nach dem Essen den Oberkörper hochlagern
  • Den Mund vor Mahlzeiten ausspülen
  • Fleisch mit leicht süsslichen Marinaden oder milden Saucen zubereiten
  • Sehr süsse oder bittere Zutaten meiden
  • Bei metallischem Geschmack lieber Plastikbesteck verwenden

Bewegung und Entspannung

Eine optimale medizinische Versorgung ist bei einer Krebserkrankung essentiell. Aber auch das körperliche Wohlbefinden entscheidet über die Lebensqualität. Diese können Betroffene aktiv mitgestalten. Regelmässige Bewegung, Entspannung und eine ausgewogene Ernährung verhelfen Ihnen zu einem neuen Körperbewusstsein und steigern Ihr Wohlbefinden.

  • Räumen Sie sich Zeit für Bewegung und Entspannung ein, denn beides trägt zur Steigerung Ihres Wohlbefinden bei.

    Junge Frau beim Stretching

Sport

Moderate körperliche Aktivität kann schon während und vor allem nach Abschluss der Behandlung die krankheits- und therapiebedingten Nebenwirkungen verbessern. Regelmässige Bewegung reduziert die Erschöpfung, fördert die Beweglichkeit und kann Schmerzen lindern. Darüber hinaus ist wissenschaftlich belegt, dass Sport die Prognose einer Krebserkrankung deutlich verbessert und bei körperlich aktiven Patientinnen seltener Rückfälle auftreten.

Sie müssen keine sportlichen Höchstleistungen erbringen. Gestalten Sie Ihr Bewegungsprogramm im Rahmen Ihrer Möglichkeiten und seien Sie regelmässig aktiv.

In der Regel können Sie mit dem Sport beginnen, sobald die Wundheilung abgeschlossen ist. Halten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt. Er berät Sie, welche körperlichen Aktivitäten für Sie sinnvoll sind. Wichtig ist, dass Sie das richtige Mass finden und sich langsam steigern. Die Bewegung soll Spass machen und Sie nicht überfordern. Zudem sollten Sie regelmässig Phasen der Entspannung einplanen.

Entspannung

Viele Patientinnen leiden durch die Belastungen ihrer Erkrankung unter Ängsten, innerer Unruhe oder Abgeschlagenheit. Entspannungsübungen können hier nachweislich die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Verschiedene Methoden wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Atemübungen oder Yoga helfen Betroffenen, Stress abzubauen, Verspannungen zu lösen und die eigenen Kräfte zu stärken. Auch bei körperlichen Begleiterscheinungen der Therapie wie Übelkeit oder Konzentrationsschwäche haben sich Entspannungsverfahren als hilfreich erwiesen.

Die verschiedenen Entspannungsmethoden lassen sich leicht erlernen und können einfach zu Hause durchgeführt werden. Ihr Arzt oder Physiotherapeut kann Ihnen verschiedene Übungen zeigen.

 

Nebenwirkungen gezielt lindern

Einige Nebenwirkungen können auch über das Therapieende hinaus andauern. Sie können in der Regel jedoch gut mit Medikamenten oder anderen Massnahmen behandelt werden. Besprechen Sie daher alle Beschwerden vertrauensvoll mit Ihrem Arzt. Dafür können Sie die Nachsorgetermine nutzen. Bei akuten Beschwerden sollten Sie aber sofort Ihren Arzt kontaktieren. Gemeinsam finden Sie einen Weg, Beschwerden zu lindern und Ihr Wohlbefinden zu steigern. Mehr zu den Möglichkeiten, Nebenwirkungen zu behandeln, lesen Sie im Folgenden.

Lymphödeme

Nach der Entfernung von Lymphknoten im Rahmen der Brustkrebsoperation kann es zu Lymphödemen kommen. Darunter versteht man eine Flüssigkeitsansammlung, die sich als Schwellung an Brustwand, Arm, Hand oder Fingern bemerkbar macht. Mit manuellen Lymphdrainagen, Kompressionsbandagen oder Physiotherapie kann der Arzt Lymphödeme behandeln. Auch ein gezieltes Krafttraining kann zur Linderung beitragen.

Polyneuropathie

Die als Polyneuropathie bezeichnete Nervenerkrankung macht sich als Kribbeln, Taubheit, Schmerzen oder Überempfindlichkeit in Füssen oder Händen bemerkbar. Verschiedene Brustkrebsbehandlungen wie beispielsweise die Chemotherapie können diese Nervenschädigungen auslösen. Schmerzen behandelt der Arzt mit unterschiedlichen Medikamenten. Zudem stehen bewegungstherapeutische Massnahmen wie Physio- oder Ergotherapie zur Verfügung, um Einschränkungen im Alltag zu mildern.

Schmerzen

Schmerzen können sowohl durch den Tumor selbst als auch durch die Behandlung ausgelöst werden. Nach der Operation können Schmerzen in den betroffenen Körperstellen, im Wund- und Narbenbereich und an den umliegenden Nerven auftauchen. Auch durch die Chemo- und Strahlentherapie kann es zu einem erhöhten Schmerzempfinden kommen.

Schmerzen werden sehr subjektiv empfunden. Da der Arzt neben der Ursache auch Art, Dauer und Intensität der Schmerzen in die Therapie miteinbezieht, ist es wichtig, dass Sie ihre Beschwerden möglichst genau beschreiben. So kann der Arzt die richtige Behandlung einleiten und kontinuierlich optimieren.

Wechseljahrbeschwerden bei Antihormontherapie

Viele Patientinnen leiden durch den Östrogenentzug während einer Antihormontherapie unter Wechseljahrbeschwerden, wie Hitzewallungen, Ängstlichkeit und Depressionen. Studien haben gezeigt, dass diese Beschwerden mit Akupunktur gelindert werden können. Darüber hinaus wirkt sich Akupunktur positiv auf die durch Aromatase-Hemmer ausgelösten Gelenk- und Knochenschmerzen aus.
 

Seelische Belastung

Viele betroffene Frauen leiden unter existentiellen Ängsten und Sorgen vor einem Rückfall und dem Tod. Gespräche mit einem Psychoonkologen können hier entlasten. Psychoonkologen haben sich auf die Betreuung von Krebspatienten spezialisiert. Sie können dabei helfen, mit der Erkrankung und den Ängsten besser umzugehen und das Beste aus der Situation zu machen. Wer diese Chance nutzt, ist keineswegs psychisch krank, sondern lässt sich dabei helfen, die Krankheit aktiv zu verarbeiten. Ob und wann dieses Angebot wichtig ist, unterscheidet sich von Patientin zu Patientin. Manche Frauen haben schon unmittelbar nach der Diagnose das Bedürfnis nach Unterstützung, bei anderen tritt der Wunsch erst nach Abschluss der Behandlung auf. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Möglichkeiten in Ihrer Umgebung.

  • Manchmal kann es entlastend sein über seine Probleme und Sorgen mit seinen Angehörigen zu sprechen.

    Mutter mit Tochter am Pier

Körperliche Veränderungen

Die Brustkrebstherapie kann ihre Spuren an Haut und Haaren hinterlassen: Haarverlust, Hautirritationen und Narben. Die Erkrankung wird für jedermann sichtbar – für viele Frauen eine belastende Situation. Zudem empfinden sich viele Frauen durch Veränderungen der Brust oder deren vollständiger Entfernung nicht mehr als weiblich und attraktiv. Doch es gibt viele Möglichkeiten, das Wohlbefinden und das Selbstbewusstsein zu stärken.

Vielleicht möchten Sie gerade jetzt Ihren Look verändern und etwas Neues ausprobieren. Mit Pflege- und Stylingmassnahmen können Frauen die sichtbaren Spuren der Therapie wie blasse Haut oder Narben kaschieren. Die Stiftung „look good feel better“ vermittelt Krebspatientinnen in kostenlosen Beauty-Workshops alles Wissenswerte über Hautpflege und Make-up.

Brustprothesen oder Perücken nach einer Krebsbehandlung gelten als spezielle Hilfsmittel und werden von der Invaliden- (IV) bzw. der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) bezahlt. Auch der Wiederaufbau der Brust nach einer Operation ist eine Pflichtleistung der Krankenkasse. Erkundigen Sie sich am besten vorab bei Ihrer IV-Stelle.

Nachsorge und Rehabilitation

Nachsorge

Im Anschluss an die Brustkrebsbehandlung folgt die medizinische Nachsorge. Nachsorge bedeutet, den Krankheitsverlauf zu überwachen, die Begleiterscheinungen zu erkennen und zu lindern sowie ein eventuelles Rezidiv früh zu diagnostizieren und zu behandeln.

Im Gespräch mit dem Arzt können Sie neben medizinischen Fragen auch Ihre aktuellen Lebensumstände thematisieren.

Lassen Sie sich bei Schwierigkeiten im Umgang mit der Erkrankung begleiten. Ihr Arzt kann Ihnen bei Bedarf Psychoonkologen, Ernährungsberater, Selbsthilfegruppen oder Krebsberatungsstellen vermitteln.

Zusätzlich zu den jährlichen Vorsorgeuntersuchungen für alle Frauen empfiehlt die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) Brustkrebspatientinnen folgenden Nachsorgeplan:

Zeit nach Therapieende Gespräch und körperliche Untersuchung Mammografie/Ultraschall der Brust
1. – 3. Jahr alle 3 – 4 Monate jährlich
(frühestens 6 Monate nach Abschluss der Strahlentherapie)
4. – 5. Jahr alle 6 Monate jährlich
5. – 10. Jahr jährlich jährlich

Je nach Krankheitssituation kann das Zeitintervall der einzelnen Untersuchungen variieren. Bekommen Patientinnen beispielsweise eine Antihormontherapie über mehrere Jahre, sollte die Verträglichkeit regelmässig kontrolliert werden.

Rehabilitation

Neben den psychischen Belastungen einer Krebserkrankung erschweren häufig Begleiterscheinungen wie Müdigkeit oder Schmerzen den Alltag. Onkologische Rehabilitationsprogramme können die Lebensqualität verbessern und den Betroffenen die Rückkehr ins gewohnte Leben erleichtern. Dazu bieten die Programme vielfältige Massnahmen, die individuell an die Bedürfnisse der Patientin angepasst werden. Sie beinhalten unter anderem Bewegungstherapie, psychoonkologische oder sozialrechtliche Unterstützung, Ernährungsberatung oder Sexualtherapie.

Verordnet der Arzt Rehabilitationsmassnahmen, können die Kosten über die Krankenkasse abgerechnet werden. Eine stationäre Rehabilitation muss vom Arzt beantragt und von der Krankenkasse bewilligt werden. Ambulante sowie stationäre Angebote in Ihrer Nähe finden Sie hier.