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Was hilft bei AMD?

Auch wenn die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) derzeit noch nicht geheilt werden kann, gibt es zumindest für die feuchte Form der AMD einige zugelassene Medikamente. AMD ist eine chronische Erkrankung, die eine dauerhafte Therapie erfordert. Die regelmässige Anwendung der Medikamente macht eine Stabilisierung der Sehkraft möglich.

Welche Therapie­möglich­keiten gibt es bei AMD?

Für die trockene Spätform der AMD, bei der keine Blutgefässe unter und in die Netzhaut eingewachsen sind, gibt es bisher keine zugelassene, wirksame Behandlung. Bei Patienten mit trockenen AMD-Frühformen kann jedoch unter Umständen die Einnahme bestimmter Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein, um den Krankheitsverlauf hinauszuzögern. Sprechen Sie hierzu bitte mit Ihrem Augenarzt.

Bei der feuchten AMD wachsen unterhalb der Netzhaut neue Blutgefässe (Abb. 1). Sie können auch in die Netzhaut einwachsen und diese anheben. Bei der Suche nach den Ursachen der Gefässneubildung unter der Netzhaut fanden Forscher den Botenstoff und Wachstumsfaktor VEGF (Englisch: vascular endothelial growth factor). Dessen übermässige Bildung führt zum Wachstum von instabilen, kranken Blutgefässen. Die neugebildeten Gefässe sind oft durchlässig, so dass Blut und Flüssigkeit in die Netzhaut gelangen und den Bereich des zentralen Sehens (die Makula) schädigen können. Die Oberfläche der Makula, die eigentlich eine Ausbuchtung in der Netzhaut ist, wird durch die darunter liegende Flüssigkeit angehoben. Dadurch kommt es u.a. zum unscharfen Sehen. Aufgrund dieser unerwünschten Flüssigkeiten nennt man diese Form der AMD „feuchte“ AMD.

Seit einigen Jahren stehen Anti-VEGF-Medikamente – auch VEGF-Hemmer oder VEGF-Inhibitoren genannt – zur Verfügung. Diese Medikamente reduzieren das Wachstum neuer, instabiler und undichter Blutgefässe und können die Sehkraft vieler AMD-Patienten zumindest vorübergehend bessern oder länger erhalten.

Gesundes Auge

Auge mit feuchter AMD

Abb. 1: Bei der feuchten Form der AMD wachsen unter der Netzhaut neue, instabile und undichte Blutgefässe (Ausschnittsbild rechts).

Wie funktioniert die intravitreale Verabreichung der VEGF-Hemmer?

Damit VEGF-Hemmer gut wirken können und um Nebenwirkungen im Körper zu vermeiden, werden sie mit einer dünnen Nadel direkt in das Augeninnere in den so genannten Glaskörper gespritzt (Abb. 2). Ärzte sprechen auch von „intravitrealer Injektion von VEGF-Inhibitoren“ (intravitreal bedeutet „in den Glaskörper hinein“) oder von „IVOM-Therapie“. Die Abkürzung IVOM steht für „intravitreale operative Medikamenteneingabe“. Die Behandlung findet unter sterilen Bedingungen in einem Operationsraum statt und kann in der Regel ambulant erfolgen.

Spritzen direkt ins Auge? Das mag zunächst beunruhigend klingen. Doch der Arzt achtet darauf, dass die Behandlung möglichst schmerzfrei durchgeführt wird. Nach Desinfektion des Auges werden betäubende Augentropfen verabreicht. Wenn die Betäubung wirkt, setzt der Arzt einen so genannten Lidsperrer ein, was von manchen Patienten als etwas unangenehm beschrieben wird. Die eigentliche Injektion nehmen die meisten Patienten als leichten Stich bzw. als kurzes Druckgefühl oder gar nicht mehr wahr.

„Hätte ich gewusst, dass die Spritze keine Schmerzen verursacht, dann hätte ich weniger Bedenken gehabt“

„Zu wissen, dass die Therapie schon lange angewandt wird und bereits viele Patienten die Spritzen gut vertragen haben, hätte mir geholfen.“

Patientenbericht: Meine Erfahrungen mit der IVOM-Therapie

Mein Name ist Cornelia, ich bin 37 Jahre alt und habe seit 30 Jahren Diabetes Typ 1. Vor 10 Jahren wurde bei mir ein diabetisches Makulaödem festgestellt, das mit Spritzen ins Auge behandelt wird (IVOM-Therapie). Gerne berichte ich darüber, wie diese Spritzentherapie Schritt für Schritt abläuft und was ich dabei empfinde.

  • Wenn ich im Spital ankomme, werden zunächst verschiedene Voruntersuchungen gemacht. Unter anderem ein OCT, das ist eine Schichtaufnahme der Netzhaut, die zeigt, wie gross das Makulaödem ist. Im Anschluss wird ein Sehtest durchgeführt und der Augendruck gemessen.
  • Der Arzt bespricht mit mir die Ergebnisse der Voruntersuchungen, dann untersucht er meine Augen und wir diskutieren, wie es weitergeht. Meistens entscheiden wir uns für die Spritze.
  • Im Vorbereitungsraum verabreicht mir ein Mitglied des Behandlungsteams Augentropfen. Es gibt unterschiedliche Tropfen: manche wirken gegen Entzündungen, andere senken den Augendruck, wieder andere befeuchten die Augen. Natürlich bekommt man dann auch noch Tropfen, die das Auge betäuben. Mein Tipp: lassen Sie sich davon lieber einen Tropfen mehr geben.
  • Nun bekomme ich eine Haube auf die Haare, denn die IVOM-Therapie erfolgt in einem Operationsraum, wo alles möglichst keimarm bzw. steril sein muss.
  • Im Operationsraum wartet schon der Arzt. Ich lege mich auf eine Liege, dann wird mein Gesicht desinfiziert, vor allem im Bereich um das Auge herum. Ein dünnes Tuch mit einem Loch in der Mitte wird über mein Gesicht gelegt, sodass der Arzt nur noch das Auge sieht, das behandelt werden soll.
  • Nun bekomme ich erneut Augentropfen, dann wird eine Augenklammer eingesetzt, die verhindert, dass ich während der IVOM-Therapie das Auge schliesse. Sitzt die Augenklammer, ist der für mich unangenehmste Teil der Prozedur schon überstanden.
  • Der Arzt nimmt dann einen Stift und markiert einen kleinen Punkt am Auge, wo die Spritze verabreicht werden soll. Hier merkt man nur einen leichten Druck, aber keine Schmerzen.
  • Wenn die Spritze verabreicht wird, atme ich immer sehr tief ein und halte während der Injektion die Luft an. Sobald der Arzt fertig ist, atme ich aus. An sich tut es nicht weh, aber es ist eben ein komisches Gefühl im Auge. Alles geht sehr schnell. Nach 2 Minuten bin ich fertig.
  • Das Tuch wird vom Gesicht genommen, dann wird die Haut gereinigt, so dass keine Jodlösung mehr zu sehen ist. Die Klammer wird entfernt und ich bekomme nochmals Augentropfen verabreicht.

Das Tuch wird vom Gesicht genommen, dann wird die Haut gereinigt, so dass keine Jodlösung mehr zu sehen ist. Die Klammer wird entfernt und ich bekomme nochmals Augentropfen verabreicht.

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Die Zeit nach der Behandlung

  • Nach der Spritze gehe ich sofort nach Hause in einen dunklen Raum und versuche zu schlafen. Wenn das nicht klappt, höre ich ein Hörbuch und schliesse die Augen.
  • Sobald die Betäubung nachlässt, fühlt es sich an wie ein Fremdkörper im Auge. Nach ein paar Stunden Schlaf ist das aber vorbei.
  • Manchmal kommt es vor, dass ich nach der Spritze kleine schwarze Punkte wahrnehme. Man hat mir erklärt, dass das nicht schlimm ist, sondern mit der Luft zu tun hat, die mit der Spritze ins Auge gelangen kann. Diese Punkte verschwinden nach ein bis zwei Tagen wieder.
  • Es kann auch sein, dass sich an der Injektionsstelle im Auge ein roter Punkt bildet. Das sieht etwas gefährlich aus, ist aber harmlos. Nach einer Woche ist dieser Punkt verschwunden.
  • In den Tagen nach der Injektion verwende ich Augentropfen zum Befeuchten und verzichte auf alles, was zu einer Infektion am Auge führen könnte: Ich fasse nicht mit den Fingern an die Augen und schminke mich auch nicht.

Behandlungsziel: Stabilisierung des Sehvermögens

Da VEGF-Hemmer nur über einen bestimmten Zeitraum wirken, müssen die Injektionen regelmässig wiederholt werden. Die AMD verläuft chronisch – das bedeutet, dass möglicherweise über Jahre hinweg zahlreiche Kontrolltermine und Injektionen erforderlich sind, denn die Erkrankung kann rasch wieder aktiv werden. Wenn Sie die Kontroll- und Injektionstermine zuverlässig einhalten, lässt sich der Verlauf der AMD günstig beeinflussen.

Das Ziel in der Behandlung der feuchten AMD liegt in der Stabilisierung der Sehkraft. Wie oft gespritzt werden muss, hängt davon ab, wie schnell sich Ihr Visus nach der Injektion verbessert, stabilisiert bzw. wieder verschlechtert. Gemeinsam mit Ihrem Augenarzt werden Sie den für Sie richtigen Abstand zwischen den Spritzenterminen herausfinden. Dieser kann individuell unterschiedlich sein, liegt jedoch in der Regel zwischen 4 und 16 Wochen.

Häufige Behandlungstermine stellen für die betroffenen Patienten mit feuchter AMD und ihre Angehörigen eine erhebliche Belastung dar. Deshalb arbeiten Wissenschaftler unter anderem an neuen Medikamenten, die weniger häufig verabreicht werden müssen.

Ein Medikament wird mit einer feinen Nadel in das Augeninnere (in den Glaskörper) gespritzt.

Spritzentherapie am Auge – häufige Fragen von Betroffenen, die Sie vielleicht auch beschäftigen

Warum muss die feuchte AMD behandelt werden?

Unbehandelt kann AMD zu einem fortschreitenden Verlust des zentralen Sehvermögens führen.

Wie kann ich meine Augen überwachen? Wie oft sollte ich das tun?

Sie können das Amsler-Gitter verwenden, um zu überprüfen, ob sich Ihr Sehvermögen verändert.  Das Amsler-Gitter können Sie hier downloaden ((Bitte das Amsler-Gitter von Roche, das wir im Kapitel „Begreifen“ vorstellen, zum Download anbieten)). Es wird empfohlen, dies jede Woche für jedes Auge einzeln zu tun und Ihre Beobachtungen festzuhalten, um sie beim nächsten Augenarzttermin zu besprechen.

Werden die Augeninjektionen schmerzen?

Sie erhalten Augentropfen, um eventuelle Schmerzen durch die Injektion zu verringern bzw. zu verhindern. Sie können dennoch Schmerzen oder Unbehagen verspüren.

Darf ich mir nach einer Injektion die Augen reiben?

Sie sollten Ihre Augen nach einer Injektion nicht reiben. Es ist sehr wichtig, eine Verunreinigung des Auges nach einer Injektion zu vermeiden.

Kann ich nach der Injektion meine normalen Augentropfen verwenden?

Ja. Wenn Sie sich nicht sicher sind, fragen Sie bitte Ihren Augenarzt oder Ihre Augenärztin bzw. das Behandlungsteam.

Kann ich nach einer Injektion Baden oder Schwimmen?

Nein, aber Sie sollten Ihren Augenarzt oder Ihre Augenärztin bzw. das Behandlungsteam fragen, wenn Sie genauere Informationen benötigen.

Der Augenarzt hat bei mir eine fortgeschrittene feuchte AMD diagnostiziert und eine Spritzentherapie mit einem VEGF-Hemmer begonnen. Wie lange muss diese Behandlung durchgeführt werden?

In fast allen Fällen muss die VEGF-Therapie zumindest in den ersten Behandlungsjahren wiederholt über einen längeren Zeitraum angewandt werden. Für Sie als Patient oder Patientin ist das mit einem erheblichen zeitlichen und organisatorischen Aufwand verbunden. Aber es ist wichtig, dass Sie die Kontroll- und Behandlungstermine bei Ihrem Augenarzt oder Ihrer Augenärztin zuverlässig wahrnehmen, damit Ihre Sehkraft stabilisiert oder sogar verbessert werden kann.