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Leben
Den Alltag mit RVO meistern
Ein gesunder Lebensstil ist wichtig, um einen ersten oder weiteren retinalen Venenverschluss (RVO) möglichst zu verhindern. Wenn ein retinaler Venenverschluss bereits zu einer Beeinträchtigung der Sehkraft geführt hat, kann das Alltagsaktivitäten einschränken und auch zu Frustration führen. Doch es gibt eine grosse Auswahl an Hilfsmitteln, die dazu beitragen, den Alltag selbstständig zu bewältigen. Familie und Freunde sind oft eine wichtige Stütze für Menschen mit einem retinalen Venenverschluss und eingeschränktem Sehvermögen.
Den Augen zuliebe: bewusster Lebensstil und Gesundheits-Checkups
Verschiedene Risikofaktoren fördern das Auftreten eines retinalen Venenverschlusses. Dazu zählen u.a. Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht und Rauchen. Auch Augenerkrankungen wie ein erhöhter Augeninnendruck oder ein nicht gut eingestelltes Glaukom können das RVO-Risiko erhöhen.
Für die Gesundheit Ihrer Augen und Ihrer Blutgefässe können Sie selbst viel tun:
- Nikotinverzicht: Versuchen Sie, mit dem Rauchen aufzuhören. Besprechen Sie ggf. mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, welche Massnahmen Sie beim Rauchstopp unterstützen können.
- Ihre Blutdruck-, Blutzucker- Blutfett- und Gerinnungswerte sollten möglichst im Normbereich liegen.
- Falls Sie an erhöhtem Augeninnendruck oder Grünem Star (Glaukom) leiden, sollten Sie dies konsequent behandeln lassen und augenärztliche Kontrolltermine zuverlässig einhalten.
- Wenn bei Ihnen eine Spritzentherapie am Auge (IVI-Behandlung) durchgeführt wird, weil Sie an einem Makulaödem nach retinalem Venenverschluss leiden, sollten Sie alle Kontroll- und Behandlungstermine bei der Augenärztin oder beim Augenarzt konsequent wahrnehmen.
- Achten Sie auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung und regelmässige Bewegung (z.B. Wandern, Walking, Radfahren, Schwimmen, Ergometertraining).
Selbsttest mit dem Amsler-Gitter
Dieser Test bietet Ihnen die Möglichkeit, selbst bestimmte Aspekte Ihres Sehvermögens zu überprüfen. Das Amsler-Gitter ist ein Quadrat mit dunklen Linien und einem schwarzen Punkt in der Mitte (Abb. 1).


So führen Sie den Amsler-Gitter-Test durch:
- Falls Sie normalerweise eine Brille tragen, lassen Sie diese beim Betrachten des Gitters bitte auch auf.
- Bedecken Sie ein Auge, um das Sehvermögen des anderen Auges zu überprüfen. Wichtig ist, das abgedeckte Augen nicht zusammenzukneifen, da dies das Ergebnis verzerrt.
- Betrachten Sie das Gitter aus einer Entfernung von 30-40 cm.
- Schauen Sie direkt auf den schwarzen Punkt in der Mitte des Gitters.
- Wiederholen Sie diese Schritte, um das andere Auge zu überprüfen.
Falls die Linien verschwommen oder gewellt erscheinen oder falls Sie dunkle oder leere Stellen bemerken (Abb. 2), sprechen Sie bitte umgehend mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt darüber!
Einschränkung des Sehvermögens – was tun?
Bei manchen Menschen bleibt nach einem retinalen Venenverschluss ein eingeschränktes Sehvermögen zurück. Doch es gibt viele Möglichkeiten Personen mit Sehbeeinträchtigungen zu unterstützen, ihre Selbstständigkeit zu bewahren, dazu zählen: eine gute Beleuchtung, vergrößernde Sehhilfen, Haushaltsgeräte, Uhren und weitere Gegenstände mit Sprachausgabe sowie speziell ausgerüstete Smartphones und Tablets. Weitere Hilfsmittel und Navigationstools unterstützen die Bewegungsfreiheit und Mobilität.
Organisationen wie Retina Suisse bieten Beratungen für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen an. Die Fachpersonen in den Beratungsstellen können auf die die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen eingehen und geeignete Hilfsmittel empfehlen, und auch Fragen rund um Arbeitsplatzsicherung, Sozialversicherungen, Finanzen, Selbstständigkeit und Mobilität beantworten (retina.ch).
Netzhauterkrankung und Psyche
Eine Erkrankung, die das Sehvermögen einschränkt, wirkt sich oft auch auf die Stimmung und Lebensqualität der Betroffenen aus. Denn wer sich im Strassenverkehr und in der Öffentlichkeit schwertut, weil er oder sie Schwierigkeiten hat, Beschriftungen zu lesen oder Gesichter zu erkennen, fühlt sich rasch überfordert, hilflos und frustriert. Kommt es durch die Erkrankung zusätzlich zu Spannungen und Konflikten in der Partnerschaft, reagieren Betroffene oftmals mit Rückzug.
Holen Sie sich Hilfe, wenn Sie merken, dass Sie sich aufgrund Ihrer Augenerkrankung oder anderen Lebensumständen niedergeschlagen fühlen und immer mehr Zeit allein in Ihrer Wohnung verbringen. Fragen Sie Ihr Behandlungsteam nach Beratungsstellen und Angeboten für Menschen mit Seheinschränkungen. Auch die Organisation Retina Suisse (retina.ch) unterstützt Sie gerne. Erkundigen Sie sich nach Möglichkeiten zum Austausch mit anderen Betroffenen.
Wie Angehörige RVO-Betroffene unterstützen können
Bei manchen Menschen, die einen retinalen Venenverschluss erlitten haben, lässt sich das Sehvermögen nicht vollständig wiederherstellen. Ist die Sehkraft dauerhaft beeinträchtigt, müssen sich nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Angehörigen auf diese neue Situation einstellen.
Familie und Freunde können sehbeeinträchtigte Menschen in vielen Situationen unterstützen. Das können Fahrdienste oder die Begleitung zu Arztterminen sein, Hilfe bei der Hausarbeit, kleine Reparaturen oder das Erledigen von Einkäufen.
Wenn Sie als Partnerin oder Partner mit einem sehbeeinträchtigten Menschen zusammenleben, sollten Sie Folgendes bedenken:
- Die meisten Personen mit einer Seheinschränkung möchten ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen und sich trotz nachlassendem Sehvermögen weiterhin wie ein eigenständiger, unabhängiger Mensch fühlen.
- Besprechen Sie deshalb genau, wer welche Dinge im gemeinsamen Haushalt übernimmt, wer sich um Finanzen, Steuererklärung und Organisatorisches kümmert, was bei Einkäufen, Hobbys oder Reisen zu bedenken ist.
- Nach und nach wird sich vieles einspielen. Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen werden im Lauf der Zeit sicherer und gewöhnen sich an Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern.
- Halten Sie Ordnung in der gemeinsamen Wohnung und legen Sie Dinge immer an denselben Ort: Schlüssel, Handtasche, Telefon, wirklich alles. So kann sich ein sehbehinderter Mensch besser zurechtfinden.
- Schmieden Sie Pläne für gemeinsame Projekte, die Ihnen Freude machen: Treffen mit Freunden, ein schönes Essen in einem guten Restaurant, Ausflüge, Konzertbesuche.
- Pflegen Sie auch Ihre eigenen Kontakte, Freundschaften und Hobbys, denn es sollte sich nicht immer alles nur um die Erkrankung Ihres Partners oder Ihrer Partnerin drehen. Unternehmen Sie etwas Schönes mit netten Menschen, planen Sie eine Wanderung mit Ihren Freunden – es wird Ihnen guttun und Sie für Ihren Alltag stärken.