Porträt einer älteren Frau, die bei Sonnenuntergang nachdenklich zur Seite blickt

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Begreifen

Was ist ein retinaler Venenverschluss (RVO)?

Ein retinaler Venenverschluss (englisch: Retinal Vein Occlusion, RVO) ist eine relativ häufige Augenerkrankung, bei der eine Vene in der Netzhaut (Retina) z. B. durch ein Blutgerinnsel ganz oder teilweise blockiert ist. Als Folge des Gefässverschlusses wird die Durchblutung des Auges beeinträchtigt, so dass es zu Einschränkungen des Sehvermögens kommen kann.Was dabei im Auge genau geschieht, soll im Folgenden erklärt werden.

Aufbau und Durchblutung des Auges

Die Netzhaut (lateinisch: Retina) ist eine lichtempfindliche Gewebeschicht im Augeninneren (Abb. 1). Im Zentrum der Netzhaut befindet sich die Makula, die etwa so gross wie ein Reiskorn ist und besonders viele Sinneszellen enthält. Die Makula ist für das scharfe Sehen verantwortlich: Mithilfe der Makula können wir z. B. lesen oder Gesichter und feine Details erkennen.

Die Netzhaut des Auges wird von kleinen Blutgefässen versorgt. Arterien bringen sauerstoff- und nährstoffreiches Blut in die Netzhaut, während Venen das Blut zum Herzen zurücktransportieren (Abb. 1).

Abb. 1: Schnitt durch das Auge. Die Netzhaut wird von Arterien und Venen mit Blut versorgt. Die Makula ist für scharfes Sehen besonders wichtig.

Blockierte Augenvene – Gefahr für das Sehvermögen

Wenn sich eine Vene verschliesst, kann das Blut nicht mehr aus der Vene abfliessen. Das Blut staut sich in der verschlossenen Vene, was dazu führt, dass Blut und Flüssigkeit aus dem Gefäss austreten und eine Schwellung (Ödem) der Netzhaut und ggf. der Makula bedingen können. Der Rückstau behindert zudem die Zufuhr von frischem Blut über die Arterien. Dadurch werden die empfindlichen Zellen der Netzhaut schlechter durchblutet und ihre Funktion beeinträchtigt, was eine reduzierte Sehschärfe nach sich ziehen kann.

Fachpersonen unterscheiden beim retinalen Venenverschluss verschiedene Formen:

  • Ein Zentralvenenverschluss (englisch: Central Retinal Vein Occlusion, CRVO) liegt vor, wenn die Hauptvene der Netzhaut, die das gesamte Blut aus der Retina abtransportiert, verstopft ist (Abb. 2)
  • Von einem Venenastverschluss (Branch Retinal Vein Occlusion, BRVO) spricht man, wenn kleinere Äste der Zentralvene blockiert sind (Abb. 3)
Schematische Darstellung eines Querschnitts durch das menschliche Auge mit Markierungen für Schwellung der Makula, Verschluss der Zentralvene und Austritt von Flüssigkeit und Blut aus Blutgefässen
Abb. 2: Zentralvenenverschluss (CRVO)
Schematische Darstellung eines Querschnitts durch das menschliche Auge mit Markierungen für Verschluss eines Venenastes, Schwellung der Makula und Austritt von Flüssigkeit und Blut aus Blutgefässen
Abb. 3: Venenastverschluss (BRVO)

Häufig liegt dem retinalen Venenverschluss ein Blutgerinnsel zugrunde, das sich an einer Engstelle abgelagert hat. Eine weitere RVO-Ursache sind Verkalkungen in kleinen Netzhaut-Arterien, die auf Venen drücken und diese blockieren können.

Retinaler Venenverschluss – ein paar Zahlen

  • Die Häufigkeit des RVO wird mit 0,3% bis 3,7% angegeben.
  • Linkes und rechtes Auge sind gleich oft betroffen.
  • Am häufigsten wird die Diagnose „RVO“ bei Menschen zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr gestellt.
  • Das Risiko, innerhalb der nächsten 5 Jahre auch am anderen Auge einen RVO zu erleiden, beträgt 5%-12%.
  • Nach der diabetischen Retinopathie ist der RVO die zweithäufigste Gefässerkrankung der Augen.
  • Experten schätzen, dass weltweit ca. 16 Millionen Menschen von einem RVO betroffen sind.

Wie macht sich ein retinaler Venenverschluss bemerkbar?

Die Symptome eines Augenvenenverschlusses hängen vom Ort und vom Ausmass des Gefässverschlusses ab. Liegt ein Zentralvenenverschluss vor, betrifft dies die gesamte Netzhaut und die Betroffenen können innerhalb kurzer Zeit nicht mehr scharf sehen.

Ein Venenastverschluss macht sich dagegen nur an einem Teil der Netzhaut bemerkbar, und die Sehverschlechterung ist weniger stark ausgeprägt.

Bei einem retinalen Venenverschluss ist die Sehverschlechterung typischerweise morgens stärker ausgeprägt als abends, weil die Gefässflüssigkeit während der Nacht durch das flache Liegen nicht so gut aus dem Kopfbereich abtransportiert werden kann und sich die Netzhaut entsprechend staut.

Wenn sich eine Flüssigkeitsansammlung/Schwellung im Bereich der Makula, also ein Makulaödem, entwickelt, berichten Betroffene u.a. über folgende Symptome:

  • Unscharfes, verschwommenes Sehen (Abb. 4)
  • Blasser oder matt erscheinende Farben (Abb. 5)
  • Leere Bereiche, dunkle Flecken oder Streifen im Gesichtsfeld (Abb. 6)
Eine Frau mit Wanderausrüstung, darunter ein Rucksack und eine Mütze, hockt im Wald und streichelt einen Hund. Teile des Bildes, einschließlich des Gesichts und der Umgebung, sind absichtlich verschwommen dargestellt
Abb. 4: Verschwommenes Sehen
Eine Frau mit Wanderausrüstung, darunter ein Rucksack und eine Mütze, hockt im Wald und streichelt einen Hund. Das Bild ist in entsättigten, blassen Farben gehalten.

Abb. 5: Blasser wirkende Farben

Eine Frau mit Wanderausrüstung, darunter ein Rucksack und eine Mütze, hockt im Wald und streichelt einen Hund. Teile des Bildes sind durch schwarze, unregelmäßige Bereiche verdeckt, die leere oder blinde Stellen symbolisieren.

Abb. 6: Leere Bereiche oder dunkle Flecken im Gesichtsfeld

Risikofaktoren für einen Venenverschluss der Netzhaut

Das Risiko für einen retinalen Venenverschluss steigt mit fortschreitendem Lebensalter. Bluthochdruck ist ein wichtiger RVO-Risikofaktor. Zu den weiteren Risikofaktoren zählen:

  • Diabetes
  • Erhöhte Blutfettwerte
  • Zu hohe Harnsäurespiegel
  • Thrombophilie (erhöhte Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln bzw. Thrombosen)

Auch wenn ein Glaukom (Grüner Star) oder ein erhöhter Augeninnendruck vorliegt, steigt das RVO-Risiko an.

Wie diagnostiziert der Augenarzt einen Venenverschluss?

Die Diagnose eines RVO erfordert eine sorgfältige Untersuchung durch die Augenärztin oder den Augenarzt, wobei verschiedene diagnostische Verfahren zum Einsatz kommen.

  • Mit einem Sehtest wird die Sehschärfe (Visus) bestimmt.
  • Funduskopie: Hierbei wird der Augenhintergrund (Netzhaut mit Makula) mithilfe eines sogenannten Augenspiegels untersucht. Dabei kann die Augenärztin oder der Augenarzt Veränderungen feststellen, die auf einen Venenverschluss hindeuten.
  • Bei der Fluoreszenz-Angiographie wird ein spezieller Farbstoff in eine Vene am Arm gespritzt, der dann auch in die Gefässe der Netzhaut fliesst. Auf diese Weise können Blutgefässveränderungen in der Netzhaut erfasst und die Durchblutung der Netzhaut beurteilt werden. Zudem lässt sich eine abnorme Durchlässigkeit der Netzhautgefässe nachweisen.
  • Sehr häufig wird bei Verdacht auf RVO eine optische Kohärenztomographie durchgeführt (OCT). Mit diesem Verfahren kann die Ärztin oder der Arzt feststellen, ob eine Schwellung der Makula vorliegt (Makulaödem). Auch zur Überwachung des Krankheitsverlaufs unter Therapie ist die OCT nützlich. Abbildung 7 zeigt das OCT-Bild einer gesunden Netzhaut, Abbildung 8 ein Makulaödem.
Schwarz-weiß OCT-Aufnahme (optische Kohärenztomografie) eines gesunden Auges, die die verschiedenen Schichten der Netzhaut in einem Querschnitt zeigt.
Querschnittsaufnahme der Netzhaut mit einem ausgeprägten Makulaödem, sichtbar durch dunkle, blasenartige Flüssigkeitsansammlungen und Verdickungen der Gewebeschichten.

Abb. 7: Optische Kohärenztomographie (OCT). Das Bild zeigt einen Schnitt durch eine gesunde Netzhaut. In der Bildmitte (Vertiefung) liegt die Makula.

Abb. 8: OCT-Bild bei retinalem Venenverschluss. Die Makula ist nach oben gewölbt, da sich unter ihr Flüssigkeitseinlagerungen (helle Bereiche) befinden. Es liegt ein deutliches Makulaödem vor.

Wie verläuft ein retinaler Venenverschluss?

Der Krankheitsverlauf bei retinalem Venenverschluss variiert individuell und hängt u.a. davon ab, ob ein Zentralvenenverschluss oder ein Venenastverschluss vorliegt.

Bei manchen Patienten erholt sich die Sehschärfe ohne Behandlung – bei vielen Patienten bleibt aber eine Flüssigkeitseinlagerung im Zentrum der Netzhaut und damit eine verminderte Sehschärfe zurück.

Doch es stehen effektive Behandlungsmethoden zur Verfügung, die allen Betroffenen angeboten werden sollten. Mit einer konsequenten Therapie kann das Sehen in vielen Fällen deutlich verbessert und erhalten werden.