Schub und MS-Diagnose während der Schwangerschaft

Es war der 1. August 2012. Unsere Tochter feierte einen Monat zuvor gerade ihren ersten Geburtstag und ich war in der 25. Schwangerschaftswoche mit unserem zweiten Wunder. Am Abend hatten wir Freunde zu einem gemütlichen Abendessen eingeladen. Ich war mit den Vorbereitungen und natürlich unserer Tochter beschäftigt. Deshalb widmete ich dem schwarzen Punkt in meinem Auge auch keine grosse Beachtung, sondern dachte einfach, dass ich etwas ins Auge gekriegt hätte und der schon wieder von selber verschwinden würde …

Ich sah immer schlechter

Am nächsten Tag fuhr ich mit meiner Tochter für zwei Nächte zu meinen Eltern. Sie wohnen etwa eine Stunde entfernt und so freute ich mich sehr auf den Besuch in meiner alten Heimat. Wir genossen die Zeit mit Oma und Opa. Ich war abgelenkt und schenkte meinem Auge nicht so grosse Beachtung. Während der Heimfahrt merkte ich aber, dass mein Sehvermögen um einiges schlechter statt besser geworden war. Es war aber Samstag und so entschied ich mich, das Wochenende verstreichen zu lassen und gleich am Montagmorgen einen Termin bei einem Augenarzt zu vereinbaren. Ich war immer noch der Meinung, dass ich nur etwas im Auge hatte.

Mein Sehnerv war geschädigt

Am Montagmorgen fuhr mich meine Schwiegermutter zum Augenarzt, ich wollte aufgrund des schlechten Sehvermögens nicht selbst Auto fahren. Der Augenarzt untersuchte mein Auge, mit welchem ich inzwischen fast nichts mehr sehen konnte. Er stellte fest, dass nicht das Auge selbst, sondern der Sehnerv geschädigt war. Er schickte mich direkt zur weiteren Abklärung in die Augenklinik nach Zürich. Also nahm meine Schwiegermutter unsere Tochter mit und ich setzte mich in den Zug nach Zürich. Weil ich mich in Zürich überhaupt nicht auskannte, musste ich zuerst das richtige Tram in die Klinik suchen.

Ergebnis der Augenuntersuchung bei MS auf Computermonitor

Schlussendlich schaffte ich es aber noch rechtzeitig und wurde in der Augenklinik nochmals untersucht. Danach wurde ich noch zu weiteren Untersuchungen geschickt. Zum Abschluss hatte ich abends um 17 Uhr dann auch noch mein erstes MRI (aufgrund der Schwangerschaft ohne Kontrastmittel). Anschliessend wurde ich nach Hause geschickt. Ich war total kaputt und freute mich nur noch darauf, meine Tochter ins Bett zu bringen und einen ruhigen Abend zu geniessen. So wirklich Sorgen machte ich mir da immer noch nicht. Ich bin ja grundsätzlich positiv eingestellt und solange ich nichts anderes höre, glaube ich, dass alles gut ist.

Der Verdacht auf MS hat sich bestätigt

Zwei Tage später bekam ich dann aber einen Anruf aus der Klinik: Ob ich am Nachmittag noch vorbeikommen könne, um die Auswertung der Untersuchungen zu besprechen. Eigentlich wollten wir gerade mit einer Freundin und ihrem Sohn zum See, um das schöne August-Wetter zu geniessen. Stattdessen holte diese dann unsere Tochter ab und nahm sie mit zu sich, damit ich alleine nach Zürich konnte.

Als ich in der Klinik in Zürich den Fahrstuhl nahm, um in das mir angegebene Zimmer zu gelangen, hatte ich zum ersten Mal ein mulmiges Gefühl. Als ich las, dass sich in diesem Stock die Neurologie und MS-Sprechstunde befinden. Der Arzt erklärte mir dann, dass die Auswertung der MRI-Bilder den Verdacht, dass ich MS hätte, leider bestätigt habe. Ich war natürlich geschockt und habe mir sofort grosse Sorgen um unsere Tochter und unseren Bauchbewohner gemacht, dass ich ihnen diese Krankheit vererbt haben könnte. Diese Sorge konnten mir die Ärzte jedoch zum Glück nehmen.

Als Therapie sollte ich gleich mit einer Kortison-Infusion für die nächsten drei Tage starten. Da ich mir aber grosse Sorgen machte, dass diese Infusionen für unser ungeborenes Kind schädlich sein könnten, wurde eine Gynäkologin hinzugezogen. Sie erklärte mir, dass man Frauen mit drohenden Frühgeburten ebenfalls Kortison verabreiche, wenn auch nicht ganz in dieser Dosis, und es kein Problem für das Baby sei. Nach dem Gespräch hatte ich ein besseres Gefühl, willigte in die Therapie ein und hing einige Augenblicke später bereits am Tropf …

Die Reise nach Zürich war für mich etwas umständlich und lang. Ausserdem wäre es mit der Betreuung unserer Tochter schwierig geworden. Zum Glück konnte ich vereinbaren, dass ich die weiteren Infusionen im Spital in unserer Nähe bekam.

Mein Sehvermögen bessert sich nicht

Nach einer Woche Pause folgte ein weiterer Kontroll-Termin in der Klinik. Da keine Besserung aufgetreten war, musste die Therapie nochmals für eine Woche fortgesetzt werden. Leider schlug die Therapie auch dann nicht wirklich an und mein Sehvermögen besserte sich nicht mehr. Aber da ich schwanger war und die Gesundheit unseres Babys natürlich nicht gefährdet werden sollte, kamen keine anderen Therapien infrage. So blieb uns nichts weiter übrig als abzuwarten. Zur Sicherheit hatte ich während der weiteren Schwangerschaft etwas häufigere Kontrollen, aber zum Glück entwickelte sich unser Baby ganz normal. Die Geburt konnten wir aber natürlich kaum mehr erwarten. Uns wurde ja schon versichert, dass das MRI und die verabreichten Medikamente im August fürs Baby nicht schädlich seien. Doch wir machten uns trotzdem etwas Sorgen wie es unser Baby vertragen hat.

Kuscheltier in Rosa

Ende gut, (fast) alles gut

Nachdem sie es noch ein bisschen spannender machte, wurde Ende November, zehn Tage nach dem errechneten Termin, die Geburt eingeleitet. Einige Stunden später konnten wir überglücklich eine gesunde Tochter in die Arme schliessen.

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