MRI-Kontrolluntersuchung bei MS

Mein Neurologe und ich haben eine Art Routine entwickelt – auf seine obligatorische Frage, wie es mir denn geht, antworte ich natürlich sofort: „Gut, alles gut, wirklich!” Ich kann nicht anders, das ist wie ein Zwang, als erste Antwort muss ich das immer sagen – aber eigentlich sieht es in mir anders aus.

Die alljährliche Kontrolle steht wieder an

Ich rufe bei meinem Neurologen an, denn wir haben vereinbart, einmal im Jahr die MRI-Untersuchung (Magnetresonanztomographie, auch genannt „Röhre”) zu machen. Die Blutkontrollen mache ich natürlich regelmässig alle drei Monate. Meine jährliche MRI-Untersuchung hat sich in der Herbstzeit eingependelt, weil mein letzter Schub im Herbst 2015 war. Ganz egal, wann die Verlaufskontrolle ist – der Zeitpunkt ist für mich nie passend. Unter uns, in den nächsten 100 Jahren würde sie auch nicht reinpassen.

Bei einem Schub zum Arzt

Ich bemühe mich so gut es geht, alles gegen einen neuen Schub zu unternehmen: Sport, Achtsamkeit, Ernährung, Selbstliebe, Vitamine… Also hoffe ich, dass auch in diesem Jahr alles gut ist und ich keine neuen Läsionen habe. Sobald ich neue Symptome oder sonstige Ausfälle hätte, würde ich natürlich sofort meinen Neurologen kontaktieren. Dann würde entschieden, ob wir ein aktuelles MRI machen müssen oder nicht. Es gibt Zeiten, da flackern meine alten bzw. bekannten Symptome wieder auf. Oft passiert mir das bei extremen Temperaturen – und zwar im Sommer wie im Winter. Die alten Symptome kenne ich und diese machen mir normalerweise keine Angst. Man sollte sie einfach mit einem gewissen Abstand beobachten. Wenn sie sich seltsam oder irgendwie anders anfühlen, dann sollte man seinen Arzt / seine Ärztin kontaktieren. 

Die Neurologen machen dann verschiedene Tests, um herauszufinden, ob sich etwas verändert hat und man doch lieber ein MRI zur Sicherheit machen möchte. Das Einzige, was man medizinisch bei einem aktiven MS-Schub machen kann, ist eine Schubtherapie. Ausserdem Durchhalten. Mehr können wir Patienten nicht machen. 

Manchmal wünsche ich mir, dass eines dieser hübschen bunten Pflaster es auch tun würde – bei Kindern bewirken die ja wahre Wunder.

Ist die MS noch aktiv?

Wie sich diese Zeit während der Jahreskontrolle anfühlt? Naja, diese Woche während der Jahreskontrolle ist bei mir die schlimme MS-Zeit. Nun ist es soweit und ich muss mich dieser Angst stellen, die ich normalerweise sehr selten im Alltag kenne. Das macht mich ehrlich nervös. Meine Nervosität macht es nicht einfacher, also funkt mir das Unterbewusstsein auch noch rein: ich habe öfter Gleichgewichtsprobleme oder mein Schwindel zeigt sich wieder häufiger. Es ärgert mich, dass ich manchmal nicht auf einem Bein stehen kann, wenn ich die Hose an- oder ausziehe. Es nervt mich, wenn ich das Gefühl habe, meine kognitiven Fähigkeiten sind schwächer und ich mich im Job nicht konzentrieren kann. Alles nervt in dieser Zeit und fühlt sich doppelt so schlimm an als üblich.

MEIN TIPP

Auch nach Jahren mit MS ist man trotzdem nicht ganz abgebrüht. Ich denke, dass man sich in dieser Situation Sorgen macht, ist ganz normal. Man sollte einfach versuchen, sich deswegen nicht verrückt zu machen, denn: auch wenn das MRI vielleicht neue Läsionen anzeigt, rückgängig machen können wir das nicht. Einzig was wir machen können ist, versuchen positiv zu bleiben, das Beste aus der Situation zu machen und nicht aufzugeben.

Ich weiss, ich sollte mich jetzt deswegen nicht unter Druck setzen. Ich weiss auch, dass das alles nur das Gegenteil bewirkt. Ich weiss das alles. Aber es ist einfach nur so schwer, das umzusetzen und keine Angst zu haben. Manchmal gelingt mir diese Phase besser und manchmal eben schlechter. Es gab auch Zeiten, da hätte ich gewettet, dass es keine neue MS-Aktivität gab und wurde dann durch neue Läsionen eines Besseren belehrt.

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