Das MRI und ich: alles Routine?!

Jetzt erzähle ich mal, wie ich die regelmässige MRI-Untersuchung empfinde – ein wenig überspitzt und mit einem Augenzwinkern.

Regelmässig in die Röhre

Ich melde mich bei der Radiologie an, fülle zum gefühlt tausendsten Mal den Fragebogen aus. Gleichzeitig twittere ich und bekomme ganz viele gedrückte Daumen und liebe, aufbauende Kommentare von meinen Lesern! Ich muss mich ja irgendwie ablenken.

Im Fragebogen muss ich überall nein und bei „Tattoo” ja ankreuzen. Danach werde ich von den Radiologen abgeholt. Die schauen sich meinen Fragebogen an und fragen noch einmal nach, ob ich Platzangst hätte. Hier schüttle ich ganz fest den Kopf und behaupte NEIN! Dabei habe ich heimlich schon einen Kaltschweissausbruch. Keine Ahnung, warum ich das immer mache. Schnell irgendeinen Witz machen, um mich selbst abzulenken.

In der Umkleidekabine wird alles, bis auf Unterhosen und Socken, ausgezogen und ich darf einen blauen Papieranzug anziehen. Ein wenig wie bei „Emergency Room”. Am Morgen habe ich natürlich darauf geachtet, dass meine Socken bestimmt keine ausgeleierten Stellen haben. Wie sieht das denn aus, wenn nur noch die Füsse aus der Röhre ragen und dann hat man diese hässlichen Socken an?

Der Zugang für das Kontrastmittel wird gelegt. Bei der Verteilung verschiedener Körperdefekte hat mein Körper offenbar ganz laut HIER gerufen. Bei der Verteilung der Venen war er wohl abgelenkt und hat sie vergessen.

Mein Outfit für den MRI-Tag.

Im Takt der Röhre

Ich wandere mit meinem Zugang fürs Kontrastmittel und der Spritze in der Hand zu diesem furchtbar teuren und lauten Gerät: Drauflegen. Die Haare werden verstaut. Ein Alarmknopf in die Hand gedrückt. Kopfhörer mit einem Radiosender werden montiert und am Ende wird der Kopf fixiert. Schwupps! Schon werde ich reingeschoben und die Aufnahme geht los. Die ersten ein bis zwei Minuten muss ich darauf achten, keine Panikattacke zu bekommen. Meine Atmung ist völlig aus dem Fluss und ich hyperventiliere etwas. Der Lärm da drin ist so laut, dass ich mich auf meine Atmung konzentrieren muss. Tatsächlich habe ich immer das Gefühl, durch diesen Lärm völlig aus der Bahn geworfen zu werden. Sobald ich einen Rhythmus mit den Geräuschen gefunden habe, pendelt sich auch wieder eine normale Atmung ein.

Das Gerät macht immer wieder andere Tonabläufe. Das geht dann so: piiip piiiip piiiip piiip piiii, tok tok tok tok tok, rrrrrrr rrrrrr rrrrrr, piiiiiiiiiip piiiiiiiiip piiiiiiiip, toktoktoktok – und sobald die eine Aufnahmenfolge durch ist, hört man ein kleines klackendes Geräusch. Ich richte mich also nach diesen Morsezeichen und mache im Kopf die gleichen Geräusche in diesem Rhythmus. Tok, tok, tok… Manchmal vertiefe ich mich so sehr, dass ich beinahe anfange, mit dem Fuss zu wippen. Mit einer Hand umklammere ich krampfhaft das Kopfhörerkabel und mit der anderen den Alarmknopf. Danach schlafen mir meist die Finger ein und werden taub.

Bloss nicht bewegen

Dann kommt das Jucken! Wie toll, wenn es plötzlich an der Nase anfängt zu jucken! Danach juckt es wahlweise am Hinterkopf, Hals usw. Ich versuche dann mich abzulenken und fokussiere ein anderes Körperteil. Aber hey, es juckt nicht mehr an der Nase. Übrigens möchte ich nicht empfehlen, mit einer Erkältung zum MRI zu gehen. Oh ja, ich habe das natürlich gemacht und bitter bereut. Schon mal versucht, einen Niesanfall zu unterdrücken während Tausende Dezibel in den Ohren dröhnen, der Kopf fixiert ist, die Nase anfängt zu tröpfeln und man sich nicht bewegen darf? Nein?

MEIN TIPP

Es kann durchaus sein, dass in diesem Beitrag ein wenig übertrieben wurde. Vielleicht erkennt sich aber der eine oder andere Leser darin wieder. Und daran, wie ich Euch meine Erfahrungen beschreibe, seht ihr ja auch, dass ich das Ganze doch mit einem gewissen Augenzwinkern betrachte. Denn was muss, das muss.

Vor den letzten zehn Minuten wird mir das Kontrastmittel gespritzt und das hämmern geht weiter. Manchmal ist es ärgerlich, weil genau in dem Moment ein gutes Lied im Radio kommt und ich fast schon anfange mitzusingen.

Dann liege ich da, stelle mir vor, wie die Radiologen mich durch das Trennglas beobachten und auf ihrem Bildschirm meine Gedanken sehen können! Wie ich mich frage: „Sind meine Socken doch ausgeleiert?”

Irgendwann, wenn sich mein Körper langsam an alles gewöhnt hat, die Morsezeichen nicht mehr so laut sind – weil ich vermutlich schon fast taub bin – dann ist der ganze Spuk vorbei. Der Zugang wird abmontiert, ich watschle in die Umkleidekabine, mache ein Selfie für das Internet, ziehe mich an und mir wird die MRI-CD in die Hand gedrückt.

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