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01.10.2020

Familienplanung bei MS - Antworten zum Thema „Schwangerschaft”

Auch ohne chronische Krankheit ist es heutzutage nicht leicht, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Doch wie sieht es aus, wenn man als junge Frau davon träumt, Kinder zu bekommen und zugleich mit der Diagnose MS zurechtkommen muss? Die Neurologin Dr. Andrea Tasalan-Skupin nimmt den Kinderwunsch ihrer Patientinnen sehr ernst und berät sie ausführlich als begleitenden Ärztin.

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1.Was raten Sie jungen Frauen, wenn es darum geht, schwanger zu werden?

Natürlich kann man mit einer Multiplen Sklerose schwanger werden. Unterstützung aus neurologischer oder ärztlicher Sicht bekommen die Patienten insofern, dass es klare Vorgaben gibt, wie man sich bei einer Schwangerschaft verhalten sollte. Für Patientinnen, die Kinder bekommen wollen, kann man die Schub-Prophylaxe entsprechend auswählen. Das bedeutet, die Patientin bekommt ein Medikament, das auch in den ersten Wochen einer vielleicht nicht sofort erkannten Schwangerschaft und auch im weiteren Verlauf sicherlich keinen Schaden am Kind herbeiführt.

Generell gilt: Offen mit dem Arzt über den Kinderwunsch zu sprechen. Nur so kann gemeinsam die passende Therapie - auch im Fall einer Schwangerschaft - gefunden werden. Etwaige Therapieanpassungen können notwendig sein. Und sollten Veränderungen in der Schwangerschaft auftreten, sind diese mit dem Arzt zu besprechen.

2. Was müssen Patientinnen zum Thema Schwangerschaft und MS unbedingt wissen?

Was die Patientinnen wissen müssen ist, dass durch die hormonelle Veränderung die Schubrate in der Regel signifikant abnimmt. 100 Prozent zu sagen, wäre etwas zu optimistisch; wenn man in Statistiken schaut, sieht man Angaben, wonach 60 bis 70 Prozent der Schubraten allein durch den Prozess der Schwangerschaft reduziert werden können. Salopp sagt man: Mit Kind im Bauch ist man vor MS geschützt. Aber eben nicht zu 100 Prozent. Treffen die 20 bis 30 Prozent ein und es kommt während der Schwangerschaft zu einem Schub, gibt es heute auch ganz klare Leitlinien und Vorgaben, wie man sich verhält: Ab welcher Zeit man welche Dosierungen zur Akutbehandlung des Schubes, nämlich mit Kortison, gewährleistet.

3. Können MS-Therapien die Fruchtbarkeit der Frau oder des Mannes beeinflussen? Müssen Betroffene vor einer geplanten Schwangerschaft die MS-Therapie unterbrechen?

Eine Beeinflussung der Fruchtbarkeit bei Mann oder Frau ist eigentlich nicht gegeben. Da gewisse Therapien teratogen sind, also das ungeborene Kind schädigen können, sollte man die Therapie 2-4 Monate vor einer geplanten Schwangerschaft unterbrechen. Hilfreich ist sicher, mit dem behandelnden Arzt alle Fragen durchzugehen, damit die Schwangerschaft möglichst ohne Sorgen verlaufen kann.

4. Manche Patientinnen sind sich aufgrund ihrer MS vielleicht unsicher, ob sie ein Kind grossziehen können. Was sagen Sie diesen Frauen?

Die Beratung ist sehr schwierig. Das muss jede Frau in ihrem eigenen Kontext, einmal der Erkrankung, der Behinderung, des sozialen Partnerschaftsgefüges für sich selber entscheiden. Beratend, unterstützend kann man nur Zahlen und Fakten liefern, die wir im Zuge der Behandlung haben und auch da ist individueller Rat gefragt. Wenn eine Patientin mit einem sehr komplizierten Krankheitsverlauf, die medikamentös schlecht einstellbar ist, sich Gedanken über eine Schwangerschaft macht, dann muss man sicher darüber sprechen, dass sich möglicherweise weitere Schübe auch unter den sich auf dem Markt befindlichen Medikamenten ereignen können. In solchen Fällen ist es auch ratsam, diesbezüglich ärztlicherseits Stellung zu nehmen. Die Entscheidung trifft die Patientin jedoch selber.

5. Welche Themen besprechen Sie mit männlichen MS-Patienten im Zusammenhang mit der Familienplanung? Welche Fragen werden Ihnen häufig gestellt?

Männer fragen häufig, ob sie die Erkrankung vererben können. Ihnen antworte ich, dass das Frauen auch können, aber nur zu einem kleinen Anteil von 3 bis 4 Prozent. Die Fragen der Männer bezüglich einer Schwangerschaft sind gering, vielleicht auch aus Schamgefühl, und wenn, dann richten sich ihre Fragen eher auf die Potenz, die bei MS durch sexuelle Störungen auch beeinflusst sein kann.

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