Auf Reisen trotz MS: Woran man alles denken muss

Die Organisation einer grossen Reise erfordert viel Planung, das weiss jeder, der schon einmal für längere Zeit unterwegs war. Doch wie sieht es aus, wenn man auf eine Weltreise geht, die einen ein ganzes Jahr lang in völlig fremde Kulturen auf verschiedenen Kontinenten eintauchen lässt? Wie gut kann man, wie gut muss man sich vorbereiten? Noch dazu, wenn man diese Reise mit der Diagnose MS antritt? Was braucht es ausser Mut und Zuversicht? Darüber spricht Lucile Zünd, die seit dem 4. Dezember 2017 auf Weltreise ist.

Gibt es irgendwelche Erfahrungen, die Sie in früheren Reisen gemacht haben, die Ihnen bei der Vorbereitung helfen und wo liegen die Unterschiede?

Ganz sicher nicht zu viel mitnehmen! Ich war früher jemand, der mit 28 Kilogramm Gepäck für zwei Wochen nach Mallorca geflogen ist. Und jetzt komme ich sicher ganz gut klar mit 13 Kilogramm für ein Jahr. Jetzt ist alles einfacher geworden, denn ich habe gelernt, dass man mit sehr wenig sehr zufrieden sein kann.

Diesmal nehme ich nicht viel mit: Das werden ein paar lange Hosen sein, zwei kurze Hosen, drei, vier T-Shirts, Necessaire und verschiedene Medikamente natürlich – die generell nützlich sind, wenn man in ferne Länder verreist. Alles andere besorgen wir uns vor Ort.

Haben Sie sich mit anderen MS-Betroffenen darüber ausgetauscht, wie die reisen?

Ich kenne leider niemanden, der mit MS eine Weltreise gemacht hat, und ich habe bisher auch niemanden mit dieser Diagnose kennengelernt, der oder die intensiv reisen – eigentlich schade, nicht wahr? Deshalb fühle ich mich manchmal auch etwas alleine gelassen mit den Fragen rund um die Behandlung der MS auf Reisen. Ich merke das auch bei meinen Ärzten und Apothekern, die wurden noch nie mit diesem Thema «MS und intensives Reisen» konfrontiert.

MS-Patienten Lucile im Gespräch mit Anne

Haben Sie die ganze Tour mit Ihrer Neurologin besprochen? Konnte sie Ihnen Tipps gegeben?

Ich bin mit meiner Neurologin unsere Route durchgegangen. Sie unterstützt mich total, hat aber keine konkreten Tipps für einzelne Regionen parat. Vielmehr gibt sie mir moralische Unterstützung und sagt, ich solle es geniessen, ich mache das Richtige.

Es gibt Reiseanbieter, die sich auf Reisen mit chronischen Krankheiten spezialisiert haben. Käme das für Sie in Frage?

Eine Gruppe, in der lauter Kranke zusammen eine Reise machen? Nein, solche Angebote kenne ich nicht. Ich trage aber auch den MS-Gedanken nicht ständig mit mir herum. Also ich gehe nicht mit Angst vor einem Schub auf diese Weltreise, gar nicht. Ich weiss, dass alles gut wird. Wenn es einmal einen Tag gibt, an dem es nicht so rund läuft, dann gönne ich mir einfach eine Pause.

Gibt es irgendwelche Dinge, die Sie wegen der MS unbedingt mitnehmen müssen?

Nein, eigentlich nicht. Ausser der Bescheinigung meiner Neurologin, dass ich MS habe und deswegen Medikamente benötige, muss ich wegen der Krankheit nichts mitnehmen. Ich bin nur auf Nummer sicher gegangen und habe mir die Bescheinigung auch auf Englisch ausstellen und sogar auf Spanisch übersetzen lassen.

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