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Fokus mensch
Mario am Strand
05.11.2020

Hämophiles Kind – unsere ersten Ferien im Ausland

Nachdem sich zu Hause alles gut eingespielt und ich eine gewisse Sicherheit im Therapieren meines Sohnes gewonnen hatte, beschlossen wir gemeinsam mit den Kindern nach Jahren mal wieder ans Meer zu fliegen.

Fliegen hiess für mich weit weg von der gewohnten Umgebung, vom Kinderspital und unseren behandelnden Ärzten zu sein, die uns doch so viel Sicherheit boten. Aber, es klappte ja schliesslich gut zu Hause und wir wollten mal wieder weg aus der gewohnten Routine und dem Alltag.

Ein anders Land besuchen, eine fremde Sprache, eine neue Herausforderung … aber auch ein grosses Stück Freiheit. Ein Tapetenwechsel, der uns allen guttun würde.

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Sorgfältige Vorbereitung

Natürlich mussten wir uns etwas anders auf die Ferien vorbereiten. Auch wohin wir gingen, hing von verschiedenen Faktoren ab. Wir haben durch die Hämophilie von Mario einiges, woran wir denken und was wir berücksichtigen müssen.

Im Internet informierte ich mich über verschiedene Länder und via Hämophilie Netzwerke findet man schnell die verschiedenen Hämophilie-Zentren im entsprechenden Land. Je nach Land gibt es mehr oder weniger … Ich habe mich dafür entschieden, nicht weiter als eine Stunde Autofahrt weg von einem Hämophilie-Zentrum Ferien zu machen. Dies gab mir etwas Sicherheit. Ausserdem wollte ich nicht zu lange fliegen oder umsteigen, damit ich die Kühlung der Medikamente sicherstellen konnte für den Reisezeitraum. Wir entschieden uns von Zürich nach Mallorca zu fliegen. Der Flug ist kurz und das Meer sehr geeignet für Kinder zum Baden. Wir haben uns für ein ruhiges, familienfreundliches Hotel im Nordosten der Insel, abseits vom grossen Tourismus entschieden. Action haben wir schliesslich schon genug im Alltag zu Hause 😉.

Mit einer Tasche voller Medikamente und Spritzen am Flughafen

In Marios Kinderspital haben wir alles besprochen und wurden ausgestattet mit allen notwendigen Formularen. Wir besprachen auch gemeinsam die Dosen der Medikamente, die wir mitführen würden. Neben den wöchentlichen Dosen nahmen wir zusätzlich noch ein paar Reserven für den Notfall mit. Nicht in jedem Land gibt es dieselben Präparate, es macht daher immer Sinn, die eigenen mitzunehmen. Genug Material zum Spritzen mussten wir auch mitnehmen.

Wir wurden via Mail – zur Information im Falle eines Notfalls – an die im Ausland zuständigen Ärzte im Zenter angemeldet, für den Zeitraum, in dem wir in den Ferien bei ihnen waren.

Wir bekamen Notfallausweise für Mario in Englisch und Spanisch. Ausserdem noch Informationsschreiben bezüglich der Mitführung lebensnotwenigen Medikamente und Spritzenmaterialien zur Therapie. Ohne diese Dokumente wäre das Mitführen und Transportieren im Flugzeug problematisch. Die Medikamente mussten in einer Kühltasche mit Kühlakkus mitgeführt werden und es waren auch Spritzen zum Spülen der Vene dabei. Es ist nicht einfach, Flüssigkeiten im Handgepäck mitzunehmen. Unser Desinfektionsmittel wurde sogar auf Sprengstoff getestet beim Zoll … das kam mir schon sehr seltsam vor, aber Sicherheit geht vor. Es war jedoch alles gut und wir konnten es problemlos wieder einpacken.

Die Taschen mit Medikamenten und Material wurden kurz angeschaut, nachdem sie die Dokumente gelesen haben und danach durch das Röntgengerät geschickt. Es ging zum Glück alles gut. Wir haben alles für Mario im Handgepäck mitgenommen, es war stets bei mir … das Risiko, dass es sonst verloren geht, ist zu gross und die Neubeschaffung allenfalls sehr schwierig im Ausland.

Der erste Urlaub seit langem

Ich bin dankbar, dass alles so gut funktioniert hat am Flughafen und wir unsere Ferien nun starten konnten. Wie schön war es mal wieder nach langem unter Palmen zu stehen, das Meer zu sehen, darin zu Baden … das Salz des Wassers an den Lippen zu spüren … es war ein Traum!

Mario und sein Bruder am Flughafen
Mario und sein Bruder beim Spielen am Pool
Familienurlaub mit Hämophilie

Lange habe ich die Sicherheit der Schweiz gebraucht und die Ärzte in der Nähe. Es war schön, sich wieder so frei zu fühlen. Mario hatte die ersten Tage noch eine Schiene am Fuss wegen einer vorherigen Gelenkblutung im Sprunggelenk, aber er durfte mit ihr laufen und sie schon bald abnehmen. Lustigerweise hatte mein Mann sich die Tage vorher beim Fussballspielen mit den Jungs etwas übernommen und musste auch mit Schiene am Fuss in die Ferien. Was für ein Anblick, mit meinen beiden „Hinkebeinen“ in die Ferien zu gehen. Aber nichts konnte unsere Freude und die gemeinsame Zeit trüben, wir genossen die zwei Wochen so sehr! Das Spritzen ging gut und wir waren sehr dankbar, dass wir trotz der neuen Situation und dem Mitnehmen von Marios zusätzlichem Gepäck problemlos die Ferien geniessen konnten. Es brauchte auch etwas Mut, aber dank der guten Vorbereitung und mithilfe der Ärzte hat alles gut geklappt.

Ein schönes Zitat von Kurt Tucholsky zum Abschluss:

 „Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben.“ 

Kurt Tucholsky

Mutig sein lohnt sich!

Natürlich habe ich in den Ferien gut auf Mario geschaut, damit Marios Fuss nicht wieder einblutete, er sicher etwas klettern konnte, in der Poollandschaft nicht rannte und stürzte auf den Platten … wie es halt auch sonst so ist mit einem Kleinkind in den Ferien.

Wir haben beschlossen, auf jeden Fall wieder in die Ferien zu fliegen und uns immer wieder auf kleine und grosse Abenteuer einzulassen: Sie tun uns allen richtig gut und wir können auch lange danach noch davon zehren und in Erinnerungen schwelgen.

Ich hoffe, dass auch Ihr schöne und erholsame Ferien hattet. Diesen Sommer 2020 blieben wir zu Hause und haben uns in der Badi, am See oder in unserem kleinen aufstellbaren Pool im Garten abgekühlt. Wir freuen uns aber schon auf die nächsten Ferien, dann gehen wir wieder 2 Wochen in den Süden.

Liebe Grüsse und bis bald

Signatur Sabine

Eure Sabine

 

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